Flugdurchführung/Chartern
Chartern in Italien

Eins gleich vorweg: Die Charterkosten in Italien sind (wegen des teureren Benzins und außerdem wegen noch aufwendigerer Wartungs- und Bürokratievorschriften) tendenziell noch etwas höher als in Deutschland. Dennoch mögen viele vielleicht den Wunsch haben, nicht unbedingt von Deutschland bis nach Italien zu fliegen, sondern vielmehr vor Ort, z.B. im Rahmen eines Urlaubs, einen kleinen Rundflug zu machen oder für einen Tagesausflug - z.B. nach Elba oder nach Venedig - ein Flugzeug zu chartern.

Lizenztechnisch ist dies auch kein Problem, denn dazu gibt es ja die EASA :-) und deren Lizenzen PPL und LAPL, d.h. man darf z.B. mit z.B. einem in Deutschland ausgestellten EASA-PPL auch italienisch registrierte Flugzeuge fliegen. (Abgesehen davon gibt es Italien auch relativ viele D-registrierte Flugzeuge, da die Italiener dadurch einen Haufen Bürokratie, zusätzlicher Wartungsvorschriften und allgemein viel Ärger mit der italienischen ENAC umschiffen können.)

Das Problem bei dem ganzen Thema ist einzig: Es gibt in Italien praktisch keine kommerziellen Flugschulen bzw. Vercharterer wie dies z.B. in Deutschland der Fall ist. Genauer gesagt: Es gibt zwar zahlreiche Flugschulen; diese sind allerdings zumeist in einen Aeroclub integriert. Es sind sozusagen „Vereinsflugschulen“, was aber nicht heißt, dass dort nur der PPL angeboten wird - auch Berufspiloten werden in Italien vielfach in diesen Aeroclub-Schulen ausgebildet. Der Rest schult in solchen Flugschulen, die rein auf zukünftige Berufspiloten ausgerichtet sind und meist kein Interesse an Privatleuten als einmaligen Charterkunden haben.

Dieser landesspezifische Umstand führt dazu, dass man praktisch nirgends mal eben unkompliziert (nach einem Checkout) eine Maschine chartern kann, denn dazu müsste man Mitglied des jeweiligen Aeroclubs sein, und die Jahresbeiträge der meisten dieser Clubs in Italien liegen irgendwo zwischen 600 und 1200 Euro, plus meist einer einmaligen Aufnahmegebühr in ähnlicher Höhe! Leider.

Eine Alternative ist die, mit einem Fluglehrer des Clubs zu fliegen und somit rechtlich gar nicht als PIC tätig zu werden. Es ist in diesem Fall im Vorwege am besten telefonisch zu klären, ob man in diesem Fall nur als rechts sitzender Passagier mitfliegen kann (das wäre dann praktisch ein "Rundflug") oder ob man auch links sitzen und das Flugzeug auch tatsächlich führen kann, d.h. der Fluglehrer effektiv nur als Safety Pilot agiert.

Was aber kann man tun, wenn man selber als PIC und ohne Safety Pilot fliegen will? Leider nicht viel. Glücklicherweise bieten einige (aber nicht sehr viele) Aeroclubs die Möglichkeit einer Kurzmitgliedschaft an (z.B. für einen Tag, eine Woche, oder monatsweise) wobei dann meist auch die Aufnahmegebühr nicht anfällt. Alles weitere ist dann Standard, d.h. ein Checkflug und vielleicht ein bisschen „Ground School“ bezüglich Funk und Luftraumstruktur sowie lokale Verfahren - schon kann man los. Erstaunlich viele Fluglehrer sprechen im Übrigen ein recht passables Englisch, da diese meist hauptberuflich Airline-Piloten sind. Dies gilt leider nicht unbedingt immer für das Personal im Sekretariat, daher ist es manchmal nicht ganz einfach, die initiale Sprachbarriere zu überwinden.

Leider gibt es keine vollständige Übersicht über solche gastfreundlichen Aeroclubs, d.h. man muss die Möglichkeit einer Kurzmitgliedschaft jeweils individuell abklären. Nach meiner Kenntnis gibt es die Möglichkeit einer Kurzmitgliedschaft bei den Clubs von:

- Vercelli LILI (zwischen Turin und Mailand)
- Biella LILE (nördliches Piemont)
- Sabaudia (zwischen Rom und Neapel)
- Ravenna LIDR (Emilia-Romagna)

In Turin (LIMA) kann man auch ganz als "Nicht-Mitglied" chartern, allerdings mit enormen Preisaufschlägen und damit ziemlich teuer. Dennoch: die alten PA28-140 sind "kultig!

Die Webadressen dieser Schulen / Vereine finden sich unter den Links.

Leider bietet z.B. der Aeroclub Bozen (der sich ohnehin recht elitär gibt) keinerlei solche Kurzmitgliedschaft an. Das ist sehr schade, da sicher viele von euch öfter mal in Südtirol sind und dort gern gelegentlich eine Runde bei herrlichem Panorama durch die Dolomiten fliegen würden. Der Jahresbeitrag liegt bei über 1000 Euro; die Aufnahmeprozedur ist etwas komplex... das muß man leider abhaken.

Einzige mir persönlich bekannte "reine" Flugschule bzw. Chartermöglichkeit (komplett ohne fixe Beiträge) ist die "Aeropubblicità" in Thiene (LIDH) bei Vicenza, die insofern absolut zu empfehlen ist (siehe Links).

Darüber hinaus gibt es seit 2015 in Mailand-Bresso (LIMB) eine Piper Archer III zu chartern, siehe hier.

In Roma Urbe (LIRU) gibt es noch die Flugschulen Aviomar und Aerotech, welche allerdings mehr auf ab-initio Schulungen von ATPL-Aspiranten ausgerichtet sind als auf Vercharterung an Privatpiloten. Zu dieser Art von Schulen gehören auch z.B. die "FTO Padova" (LIPU), sowie die Schule "Sunrise Aviation" in L'Aquila (LIAQ).

N-registrierte Flugzeuge gibt es leider in Italien praktisch nirgends zu chartern. Möglicherweise ist das aber bei Cirrus Italy in Ozzano (bei Bologna) oder in Padua möglich.

Zuguterletzt noch ein Tipp: Manche Leser dieser Seite sind möglicherweise sehr häufig bzw. regelmäßig im Gardaseeraum; einige haben dort möglicherweise ein Ferienhaus. Ihnen kann ich ganz objektiv für gelegentliche Flüge über den See oder in die Berge während des Urlaubs meinen früheren Heimatclub, den Aeroclub Verona (siehe Links) empfehlen. Der Flugplatz, Verona Boscomantico (LIPN), lässt sich von Lazise und Peschiera aus in ca 20 Minuten mit dem Auto erreichen. Der Jahresbeitrag ist gerade noch akzeptabel (720 Euro), die Prozeduren sind alles in allem recht einfach, die Leute (insbesondere Andrea) sind sehr nett, sprechen englisch und die Flotte ist sehr vielfältig (C150, C172M, C172S, PA-28RT, TB20, P92, Eurostar SLW). Die Webadresse finden Sie unter den Links.

Auch dort ist es möglich, ohne Mitgliedschaft zu fliegen, allerdings mit zwei Einschränkungen: 1. nur mit Fluglehrer, welcher natürlich auch bezahlt werden muss und 2. wird auch auf den normalen Flugstundenpreis für Mitglieder ein Aufschlag erhoben. In Summe also definitiv kein billiger Spaß, aber für denjenigen, der nur mal eine Stunde über den Gardasee fliegen möchte trotzdem noch immer eine denkbare Option.


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