Flugdurchführung/UL
UL fliegen in Italien

WICHTIG VORWEG: Mit der Einführung von SERA in Italien (erfolgt am 11.12.2014) wurden sämtliche ULs den damals neuen italienischen "Rules of the Air" unterworfen. Dies hat u.a. dazu geführt, dass nun für alle ULs (also egal ob "Basico" oder "Avanzato") eine Mindestflughöhe von 500 Fuß über Grund gilt (was früher nicht der Fall war). Gleichzeitig unterliegen zumindest die Basico-ULs weiterhin einer maximalen Flughöhe, und zwar von nun 1000 Fuß über Grund, egal ob wochentags oder am Wochenende. Das heißt: die Basicos sind nun rein rechtlich in ein enges 500-Fuß-Korsett geschnürt. Was Piloten in der Praxis tun (sowohl nach oben, als auch nach unten), steht auf einem anderen Blatt. Schließlich wird ja bei den Basicos meist ohne Transponder geflogen. Dies aber dennoch vorab als Info und als Warnung.

UL-Fliegen ist in Italien ein großes Thema. Der überwiegende Teil der "leichten GA" spielt sich in Italien im Ultraleichtsektor ab. Dies hat zum einen mit den geringeren Kosten zu tun, zum anderen mit der in vielerlei Hinsicht günstigen Gesetzgebung. Die "klassische" Fliegerei mit zertifizierten Motorflugzeugen hingegen ist seit jeher von der Bürokratie, den Kosten und der in vielerlei Hinsicht unfähigen Luftfahrtbehörde ENAV gegängelt und fristet daher eher nur ein Nischendasein.

Ich persönlich habe während meiner Zeit in Italien den italienischen UL-Schein ("Attestato VDS") erworben und zwischen 2009 und 2012 zahlreiche Flüge mit I-registrierten ULs in Norditalien gemacht. Außerdem besitze ich seit Langem den deutschen SPL, fliege aber derzeit nur sehr sporadisch in Deutschland mit D-registrierten ULs.

IAber auch immer mehr deutsche Piloten fliegen heute anstatt mit der "E-Klasse" auf einem modernen Dreiachs-UL und viele mögen (aufgrund der vielen fantastischen Möglichkeiten, die Italien den UL-Fliegern bietet) den Wunsch haben, auf die eine oder andere Weise in Italien UL zu fliegen. Daher dazu folgendes:

Zu allererst ist es wichtig, wenn man über das Thema "UL fliegen in Italien" spricht, zwischen zwei Dingen zu unterscheiden:

1) UL fliegen in Italien mit I-registrierten (also beim AecI registrierten) ULs

und

2) UL fliegen in Italien mit D-regisitrierten (also vom DAec zugelassenen) ULs

Zu Option 1) Die Möglichkeit, in Italien ein I-registriertes UL zu chartern und damit seinen Spaß zu haben, verschließt sich für Ausländer leider fast vollständig, denn um dies legal zu tun, braucht man den italienischen UL-Schein. Der deutsche wird nicht automatisch anerkannt (ULs sind rein nationale Angelegenheiten und haben mit der ICAO-Thematik praktisch nichts zu tun). Auch eine Umschreibe- oder Anerkennungsprozedur gibt es nicht. Man müsste somit den italienischen UL-Schein vollständig neu erwerben, wozu man allerdings wiederum u.a. einen festen Wohnsitz ("residenza") in Italien braucht. Sie sehen, die Sache ist zwecklos. Leider. Was man machen kann, ist, im Rahmen z.B. eines Urlaubs den nächstgelegenen UL-Platz aufzusuchen und irgend jemanden nach einen "Mitflug" in seinem UL zu fragen. Spaß garantiert!

Und nun zu Option 2) Viele UL-Piloten mögen den Wunsch haben, mit dem eigenen oder in Deutschland bzw. Österreich gecharterten UL nach Italien zu fliegen. In der Tat, hunderte UL-Piloten aus dem deutschsprachigen Raum tun dies jährlich. Erleichternd wirkt sich zunächst aus, dass ein in der EU registriertes UL für den Einflug nach Italien keine besondere Genehmigung braucht. Auch in Österreich gibt es mittlerweile praktisch keine Einschränkungen mehr (lediglich ein ELT ist gefordert). Selbst die früher gegenüber der Ultraleichtfliegerei so negativ eingestellte Schweiz erlaubt seit Ende 2014 (weitere Infos siehe hier) den allermeisten Dreiachs-Ultraleichtfugzeugen den Ein- und Durchflug ohne jegliche Formalitäten, so dass der Flug nach Italien eigentlich kein Problem darstellt. Doch der Knackpunkt ist folgender:

>>> Gilt ein D-registriertes UL in Italien als "UL" oder als "Flugzeug"?

Schließlich sind ULs bekanntlich rein nationale Angelegenheiten und die Vorschriften für deutsche und italienische ULs und ihre Piloten unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Es steht nämlich im italienischen UL-Regelwerk eindeutig, dass dieses für "apparecchi per il volo da diporto sportivo", also definitionsgemäß erstmal nur für ULs italienischer Eintragung gilt. Letztere durchlaufen z.B. keinerlei Zertifizierungsprozess und haben grundsätzlich nicht mal ein Funkgerät. Ein deutsches UL kann also nicht mal eben so einem italienischen UL gleichgesetzt werden. Doch als "normales" Flugzeug kann es eigentlich auch kaum durchgehen, dazu fehlt es auch deutschen ULs einfach an zu vielem, vor allem an einem ICAO-konformen Lufttüchtigkeitszeugnis.

Sie sehen, die Sache wird nun tricky, denn dieser Aspekt ist entscheidend in Hinblick auf die Frage, was für Regeln für dieses UL während des Betriebs in Italien gelten...

Folgende sind in ihren Grundzügen die Regeln für ULs in Italien:

- maximale Flughöhe 1000 Fuß über Grund
- Mindestflughöhe (seit dem Inkrafttreten von SERA im Dezember 2014): 500 Fuß!
- Verbot des Überflugs von Menschenansammlungen, d.h. auch von Ortschaften und Städten (in der Praxis kaum machbar; es wird aber auch nicht so eng gesehen)
- es ist - es sei denn man hat eine Sondergenehmigung - nicht erlaubt, auf den "Aeroporti" zu landen (Mindestabstand von diesen: 5km). Zur Erinnerung: Als Aeroporto (sprich: Flughafen) gilt jeder in der AIP Italien veröffentlichte Flugplatz, unabhängig der Größe oder der Ausstattung (also auch solche kleinen Plätze wie Trento, Cremona, Asiago, etc). Es darf aber im Gegenzug dazu auf jeder anderen geeigneten Fläche gestartet und gelandet werden, insofern der Grundstückseigentümer zugestimmt hat (kein "Flugplatzzwang" wie in Deutschland, was in Italien sämtliche "campi di volo" für Füge mit ULs legitimiert)
- es ist nicht erlaubt, die Dienste der Flugsicherung in Anspruch zu nehmen. Dementsprechend ist es nicht erlaubt, kontrollierte Lufträume (Klasse C & D) zu befliegen (Luftraum A natürlich sowieso nicht). Das Einfliegen in aktive Flugbeschränkungs- und Flugverbotsgebiete ist ebenfalls natürlich nicht erlaubt
- keine Transponderpflicht

Finden also auch für D-registrierte ULs diese oben genannten Regeln Anwendung, oder doch die klassischen VFR-Luftverkehrsregeln? Hinsichtlich dieser seit langer Zeit im Raum stehenden Frage gab es im November 2010 wesentliche Neuigkeiten, da zu diesem Zeitpunkt (nach jahrelangen Verhandlungen und Sitzungen) ein gegenüber früher verändertes italienisches UL-Reglement, das "DPR 133/2010" in Kraft getreten ist.

Dieses soll und muss in seiner Substanz hier kurz erläutert werden. Leider ist die Sachlage sehr komplex und außerdem auch in der Praxisanwendung auch nicht 100%ig geklärt; dazu kommt, dass das Gesetz 133/2010 aufgrund vieler Unklarheiten und Fehlern in juristisch-formaler Hinsicht eine miserable Qualität hat. Es hilft aber nichts: wenn man - ohne "anzuecken" - mit z. B. einem D-registrierten UL in Italien unterwegs sein will, muss man sich hier etwas auskennen. Also los:

Seit dem Inkrafttreten des DPR 133/2010 wird in Italien zwischen zwei "Kategorien" von ULs unterschieden:

1. "Basico" (heißt soviel wie "einfache" ULs)

und

2. "Avanzato" (heißt soviel wie "fortgeschritten"; da aber effektiv keine Übersetzung dies so richtig trifft, werde ich hier schlicht weiterhin den italienischen Begriff verwenden)

Als "Avanzato" gelten also all jene ULs, die bestimmte technische und bürokratische Vorraussetzungen erfüllen und aufgrund dessen - so die Logik - als irgendwie "fortgeschritten" gelten und daher wie "normale" Flugzeuge am Flugverkehr teilnehmen dürfen, sprich: es gelten die Luftverkehrsregeln mit all deren entsprechenden Rechten und Pflichten wie z.B.:

- Benutzung auch der offiziellen "Aeroporti" (mit Ausnahme einiger größerer Verkehrsflughäfen, siehe weiter unten)
- Überflug von Menschenansammlungen und Städten grundsätzlich erlaubt, gemäß der Mindestflughöhe (1000 Fuß über Grund); über dünn besiedeltem Gebiet gelten 500 Fuß Mindestflughöhe
- Benutzung sämtlicher dem VFR-Verkehr zugänglicher Lufträume (d.h. keine Beschränkung auf maximal 1000 Fuß AGL; kein Verbot der Einflugs in kontrollierte Lufträume der Klasse C und D)
- Recht (bzw., soweit für den jeweiligen Luftraum gegeben: Pflicht) zur Inanspruchnahme von Flugsicherungsdiensten sowie zur Aufgabe von Flugplänen; Transponder stets in Betrieb mit Code 7000, soweit nichts anderes angewiesen wird

Allerdings: Dies alles gilt nur, insofern außerdem auch der das UL steuernde Pilot die Qualifikation "Avanzato" besitzt. Diese erlangt der italienische UL-Pilot, indem er (neben der Erfüllung einer Reihe anderer Anforderungen) einen Fortbildungskurs inklusive theoretischer und praktischer Ausbildung sowie eine Prüfung absolviert. Deutsche UL-Piloten sind - auch wenn sie einen PPL oder LAPL haben, zunächst keine Avanzato-Piloten.

Als "Basico" hingegen gelten alle anderen ULs und unterliegen daher weiterhin dem "klassischen" italienischen UL-Reglement (siehe weiter oben).

>Welche "Aeroporti" genau darf denn man denn als "Avanzato" nun legal anfliegen?

Als "Avanzato" dürfen sämtliche (gemäß AIP-Italia) "nicht-kommerziell" genutzten Flugplätze/Flughäfen angeflogen werden. Unter praktischen Gesichtspunkten sind dies die allermeisten (aber nicht alle!) unkontrollierten "Kleinflugplätze". Darunter sind solcherlei beliebte Plätze wie Venezia-Lido, Verona-Boscomantico, Milano-Bresso, Trento, Padova, Massa Cinquale, etc. (Roma Urbe leider nicht!). Darüber hinaus dürfen auch ein Teil der kommerziell genutzten Flugplätze (so genannte "Aeroporti Certificati") angeflogen werden. Die Liste dieser Plätze (Stand 2017) lautet wie folgt (ohne ICAO-Codes):

Albenga, Aosta, Bolzano, Comiso, Crotone, Cuneo, Foggia, L'Aquila, Lampedusa*, Marina di Campo (Elba), Pantelleria*, Parma, Perugia, Pescara, Reggio Calabria, Rimini, Salerno, Siena, Taranto

(*: nur vom 1. November bis 30. April für Avanzato-ULs freigegeben)

Alle anderen großen Airline-Aeroporti dürfen nicht angeflogen werden. Dort werden auch für Durchflüge der dazugehörigen ATZ keine Freigaben erteilt. (Wohlgemerkt nur für die ATZ nicht ; die entsprechende CTR kann man schon kreuzen.

Wer sich das mit den zugelassenen und nicht zugelassenen Aeroporti genauer ansehen möchte, sei auf die AIP, Abschnitt AD 1.3 verwiesen. Dort gibt es in den Tabellen eine Spalte "Advanced ULM" und die enstsprechende Angabe YES oder NO.

Und auch wenn es die Sache noch etwas komplizierter macht, sei an dieser Stelle gesagt, dass es in Italien wiederrum auch einige (wenige) kleine Aeroporti gibt, die sogar auch Basico-ULs dulden (obwohl sie dies gemäß DPR 133/210 eigentlich nicht dürften). Dies ist damit zu erklären, dass in Italien sehr viele ULs und ihre Piloten nach wie vor keinen Avanzato-Status haben und diese Plätze ansonsten praktisch überhaupt keinen Verkehr mehr hätten (zumal ja die klassische AL mit E-Klasse Maschinen nicht gerade floriert). Auf diesen Plätzen kann man natürlich auch völlig problemlos mit D-registrierten ULs fliegen. Leider gibt es natürlich keine offiziellen Auskünfte, welche Aeroporti diese Basico-ULs dulden oder nicht. Mir bekannte Beispiele solcher Plätze sind z.B. Cremona, Lugo di Romagna, Carpi und Pavullo. Auch hier gilt: Vorheriges Anfragen lohnt sich. Es werden aber immer weniger Plätze, denn die ENAC zwingt derzeit immer mehr Aeroporti, Basico-ULs nicht mehr zuzulassen. Wie gesagt ist das für Piloten mit D-reg. ULs auch nicht so relevant, denn diese werden ja allgemein als "Avanzati" eingestuft.

> Wie läuft das ganze mit den Avanzati in der Praxis ab?

Gemäß AIP ENR 1.2 (Punkt 8.6) müssen sich die "Avanzati" im Funksprechverkehr stets als solche zu erkennen geben, sprich am Anfang jeden Funkspruchs muss der Begriff "ULTRALIGHT" vorangestellt werden (Nicht-"Avanzati", sprich die "Basici" dürfen weiterhin überhaupt nicht am Funksprechverkehr mit der Flugsicherung teilnehmen).

Was ggf. Flugpläne angeht, so müssen die "Avanzati" nun im Feld 9 (ICAO-konform) "ULAC" (bzw. "GYRO" oder "UHEL") eintragen, sowie im Feld 18 "RMK/ULAC ADVANCED" (bzw. GYRO ADVANCED oder UHEL ADVANCED) eintragen.

Nur dann gilt man tatsächlich als "Avanzato" und geniesst die entsprechenden Rechte.

> Was bedeutet das nun alles für mich als Pilot eines D-registrierten ULs in Italien?

Nun, zunächst einmal leider nichts Gutes. Denn während man (grob vereinfacht gesagt) in der Vergangenheit als D-MXXX aufgrund der reglementarischen Grauzone nahezu Narrenfreiheit hatte und somit effektiv fast alle Lufträume und fast alle Flugplätze relativ problemlos nutzen konnte, so ist dem jetzt zunächst einmal theoretisch ein Riegel vorgeschoben, denn - so steht's im Gesetz 133/2010 - ausländische ULs und ausländische UL-Piloten gelten grundsätzlich erst einmal nicht als "Avanzato", sondern als "Basico".

Das ist ärgerlich, da es eben gerade dieser "Avanzato-Status" ist, welcher es einem in Italien erlaubt, wirklich nahezu ohne Einschränkungen zu fliegen, sprich sowohl die Vorteile als UL als auch die Vorteile "normaler" Flugzeuge gleichzeitig zu geniessen.

In der Praxis (sprich: in der Luft) ist es allerdings so, dass D-registrierte ULs von ATC - zumindest wenn die einen Transponder haben - schon wie Avanzati behandelt werden.

Es geht also nur darum, ob es am Boden ggf. Probleme geben könnte. Daher stellt sich die Frage:

> Wie kann ich als Pilot bzw. mein UL-Flugzeug die Anerkennung als "Avanzato" erlangen?

Der Aufwand hierfür ist leider nicht ganz ohne...

1. Das Flugzeug

Die rein technisch-konstruktiven Hürden für eine Einstufung des ULs als "Avanzato" sind für die meisten modernen ULs durchaus überschaubar. Zunächst einmal müssen ULs dazu den Vorschriften eines Anhangs (Anhang V) des DPR 133/2010 entsprechen. Ohne dies hier allzu sehr ausführen zu können, sei gesagt, dass die meisten in Deutschland üblichen modernen Dreiachser dies tun.

Desweiteren gelten gewisse Ausrüstungsvorraussetzungen, aber auch diese werden von den meisten modernen Dreiachsern erfüllt. Und zwar mindestens:

- Ballistisches Rettungsgerät (sprich: Fallschirm)
- VHF-Sprechfunkgerät (25Khz-Frequenzabstand ist derzeit ausreichend)
- ELT (121.5 MHz ist ausreichend)
- Transponder (Mode "C" ist ausreichend)

Alle Geräte müssen luftfahrtzugelassen sein, unterliegen aber keiner Prüfpflicht.

Die bürokratischen Hürden hingegen sind leider wie so oft ein Problem, denn genau genommen muss man sich die (nur auf italienisch verfügbaren) Formulare zur Bescheinigung des "Avanzato"-Status von der Website des italienischen Aeroclubs (AeCI) besorgen, diese ausfüllen und mit einer ganzen Reihe von Anlagen (!) versehen; dann den Antrag abschicken und auf die Bearbeitung und die letztliche Anerkennung warten. Alles in Allem sehr kompliziert und für Leute ohne viel Zeit und Geduld sowie ordentliche Italienischkenntnisse sicher nicht realistisch. Hier wäre es wünschenswert, wenn z.B. der DAeC mit dem AeCI eine vereinfachte Prozedur für eine allgemeine Anerkennung deutscher ULs erarbeiten würde. In dieser Richtung ist mir aber nichts bekannt.

2. Die Lizenz

Grundsätzlich sieht das Gesetz 133/2010 vor, dass ausländische Erlaubnisse (wie z.B. der deutsche SPL) als "Avanzato"-Berechtigung anerkannt werden können (soweit mindestens ein BZF1 vorliegt), allerdings nur dann, wenn dies mittels einer konkreten Vereinbarung zwischen AeCI und (in diesem Fall:) DAeC so geregelt ist. Da bisher (nach meinem Kenntnisstand) eine konkrete Vereinbarung nicht einmal ansatzweise besteht, gibt es derzeit leider keinen Weg, ganz offiziell als "Avanzato"-Pilot anerkannt zu werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass in Zukunft die Regelung gefunden wird, dass ausländische UL-Piloten automatisch als "Avanzato" gelten, wenn sie mindestens über einen PPL (A) oder einen LAPL (A) verfügen. Derzeit ist das aber nicht der Fall.

Es stellt sich fast zwangsläufig folgende Anschlussfrage:

> Habe ich etwas zu befürchten, falls ich mich einfach (unabhängig von der Papierlage) als "Avanzato" ausgebe?

Dies ist sehr schwierig zu beantworten. Wenn man alle technischen Vorraussetzungen (Funk, Transponder, ELT, etc.) erfüllt, wohl eher nicht. In der Luft sowieso nicht - da macht ATC in der Regel alles mit. Mir ist aber außerdem auch nichts über irgendwelche Schreckensfälle für deutsche UL-Piloten bekannt, wo D-registrierte ULs besonders verschärft irgendwelchen Kontrollen am Boden unterzogen wurden.. Sollte es aber zu einer solchen Kontrolle kommen, und sollte man dann den schriftlichen Nachweis des "Avanzato-Status" (ich wiederhole: sowohl Flugeug als auch Pilot!) nicht vorweisen können, könnte es theoretisch etwas unangenehm werden.

Derzeit scheint es allerdings wie gesagt so - dies bestätigen mir vorliegende Praxisberichte - dass deutsch registrierte ULs auf den nur für "Avanzati" zugelassenen Aeroporti (z.B. Venezia-Lido, etc.) auch weiterhin "durchgewunken" werden, d.h. dass hier keine Probleme entstehen. Eine Garantie gibt es dafür aber leider nicht, denn wie oben gesagt, ohne entsprechende Anerkennung gelten D-registrierte ULs genau genommen erst mal nicht als "Avanzato", egal wie das UL ausgestattet ist.

Also noch einmal anders formuliert: Keineswegs behaupte ich, man könne mit einem D-registirerten UL keine Aeroporti anfliegen und keine kontrollierten Lufträume durchkreuzen. In 95% der Fälle wird man dabei (wenn man sich halbwegs geschickt, sprich: unauffällig verhält) keinerlei Probleme bekommen. Aber die Papierlage ist nun einmal leider eine etwas andere. Deshalb soll hier vor nicht auszuschließenden Schwierigkeiten mit den italienischen Behörden zumindest gewarnt sein. Daher:

>Was kann ich tun, um ganz sicher zu sein, nicht doch auf irgendeinem Aeroporto in Schwierigkeiten zu kommen?

Nun, da gibt es nur eine 100%ige Lösung: Bevor man einen Aeroporto anfliegt, sollte man sich sich mit diesem in Kontakt setzen und dabei genau (und wahrheitsgemäß) erläutern

a) was für ein Flugzeug man hat

b) was dies für eine Ausstattung (Funk, Transponder, etc.) hat

c) welche Lizenzen man vorweisen kann (ein PPL ist natürlich hilfreich)

Wenn man daraufhin von dem Flugplatzbetreiber willkommen geheissen wird und sozusagen eine Genehmigung erteilt bekommt (am besten natürlich schriftlich), dann kann man auch ruhigen Gewissens dorthin fliegen. Und nochmal, wie oben schon gesagt: Die Erfahrungen zeigen, dass insbesondere wenn man betont, dass man über Funk, Transponder, Fallschirm und ELT verfügt, man in aller Regel ohne weitere Fragen die Genehmigung erhält.

Wie man im Rahmen dieser Korrespondenz geschickt auf die eventuell auftretende Frage "are you avanzato or not?" antwortet, muss jeder letztlich für sich selbst entscheiden...

> Kann oder muss ich, wenn ich mit meinem D-registrierten UL von Deutschland nach Italien fliege, einen Flugplan aufgeben oder nicht?

Die "ganz normalen" Basico-ULs dürfen ja in Italien eigentlich gar keine Flugpläne aufgeben. In Deutschland wiederum müssen ULs, wenn Sie nach Italien fliegen, unbedingt einen Flugplan aufgeben...

Daraus ergibt sich insgesamt die Empfehlung, Flüge zwischen Deutschland und Italien stets sozusagen, nach "Avanzato-Regeln", also mit Flugplan, durchzuführen. Wenn Sie sich entscheiden sollten, ohne zu fliegen, dann schalten Sie bitte ihren Transponder aus und kündigen auch nicht z.B. beim deutschen FIS an, "nach Italien" zu fliegen. Ist doch logisch, oder?

Letztlich noch folgendes:

> Kann ich auch in Zukunft weiterhin im Tiefflug die riesigen Kontrollzonen Italiens durchkreuzen ohne mit irgendjemandem zu funken und mit ausgeschaltetem Transponder?

Nun, zunächst einmal sei noch einmal klargestellt dass dies auch in Vergangenheit schon illegal war. Es wurde früher eben einfach in gewissem Umfang "geduldet" (zumindest solange man sich in sinnvollem Maße von den Flughäfen und ihren Endanflugkegeln ferngehalten hat).

Ansonsten kann man dies grundsätzlich natürlich auch weiter tun; es ist aber so, dass es hierbei mittlerweile weitaus weniger Toleranz gibt und solche Vergehen mit erhöhter Aufmerksamkeit verfolgt werden. Dazu kommt, dass ja seit Dezember 2014 ohnehin grundsätzlich eine Mindestflughöhe von 500 Fuß gilt. Daher: Vorsicht! Soweit irgendwie möglich sollte man das also unbedingt vermeiden. Insbesondere auch die Umgestaltung des Lufraums im Nordosten Italiens vom Januar 2014 wurde lediglich unter der Auflage genehmigt, dass fortan bitte absolut alle Piloten sich an die Regeln halten und die kontrollierten Lufträume respektieren. Auch die AOPA Italien bittet alle Piloten - insbesondere auch die ausländischen - eindringlich, sich strikt an die Regeln zu halten. Also: entweder "drum herum" oder per Funk eine Freigabe anfordern.

An dieser Stelle einige Informationen zu den so genannten "ULM corridors", wie sie in der AIP Italien veröffentlicht sind und nun auch in den Flugkarten einiger Planungssoftwares (Jeppesen MFDVFR, Skydemon, EasyVFR, etc.) erscheinen. Hierzu gibt es nämlich leider massive Maßverständnisse unter den UL-Piloten.

Warum gibt es diese ULM-Korridore? Bekanntlich reicht ja in vielen Ballungsräumen der kontrollierte Luftraum nach wie vor großflächig bis zum Boden. Basico-ULs könnten dort also legal gar nicht vom Platz wegkommen oder diesen anfliegen. Daher wurden in den betroffenen Bereichen - insbesondere auch im Nordosten - diese Korridore angelegt, innerhalb derer ULs auch ohne Funk und ohne Freigabe fliegen dürfen. Avanzato-ULs "brauchen" diese Korridore logischerweise gar nicht, denn sie können ja ohnehin per Funk eine Freigabe für jedes erdenkliche Routing einholen.

Wie sieht es jetzt wiederum mit ausländischen ULs aus, die entweder z.B. keinen Transponder haben oder sich trotz aller Ausrüstung nicht den Status als "Avanzato" anmuten möchten? Nun, leider können diese die ULM-Corridors nicht ohne weiteres nutzen, um ganz legal zu ihrem Zielflugplatz zu kommen. Denn erstens sind diese Korridore laut AIP weitestgehend für Piloten der an den entsprechenden Plätzen beheimateten Luftsportvereinen reserviert. Das macht zwar leider wenig Sinn; schließlich kann der Luftraum entweder sicher und ohne Konflikt mit anderem Verkehr beflogenen werden oder aber nicht, aber das ist unabhängig davon, wem das UL zugehörig ist. Aber so ist eben die Regel; hier muss jeder wiederum selbst entscheiden, wie er das in der Praxis handhabt. Aber: viele diese Korridore sind außerdem auf gewisse Wochentage beschränkt (oftmals nur Wochenende). Und: die meisten dieser Korridore müssen von den entprechenden Luftsportvereinen zunächst vor jeder Benutzung "aktiviert" werden, d.h. es muss per Telefon eine Absprache mit der zuständigen Flugsicherung stattfinden.

Sie sehen, diese Korridore sind - in der derzeitigen Handhabe - leider auch nicht die perfekte Lösung für diejenigen "fremden" ULs ohne Avanzato-Status, die legal zu den nach wie vor von kontrolliertem Luftraum eingeschlossenen Plätzen - z.B. Al Casale bei Udine - gelangen möchten.

Thema "campi di volo"

Trotz all der weiter oben genannten Änderungen bleiben gewisse Sachverhalte aber auch in Zukunft unverändert; z.B. dass die so genannten "campi di volo" auch weiterhin legal nur von ULs (egal ob "basico" oder "avanzato") benutzt werden dürfen.

Nahezu alle "campi di volo" sind im Avioportolano verzeichnet. Auch hier gibt es viele kleine "Juwelen" zu entdecken, teilweise mit regionaltypischen kleinen Trattorias, Agriturismos und wie gesagt vielen vielen netten, begeisterten Fliegerkollegen! Eine kurze Auswahl:

Icaro Village (Nähe Ferrara) --> Agriturismo direkt nebendran!
Samolaco (Nähe Lago di Como) --> landschaftlich fantastisch!
Caorle / Mazarack (obere Adria) --> typisches Fischlokal nebenan, außerdem Residence "Case Are"
Senigallia (zwischen Rimini und Ancona) --> direkt am Adriastrand!
Vaievola (im Susa-Tal, westlich von Turin)
Capo d'Orlando (Nähe Messina) --> direkt am Strand!
Ali del Po (Nähe Parma) --> Agriturismo nebenan!
Termon, Vervò (zwischen Bozen und Trento)--> herrliche, aber sehr anspruchsvolle Mountainstrips!
Sterzing / Vipiteno (gleich unterhalb des Brenners)
Carvaggio (Nähe Bergamo) --> uriges Agriturismo für den großen Hunger!
Oasi di Peppe (Paestum / südliches Kampanien) --> der wohl gepflegteste und schönste UL-Platz in Italien!
Oria / Ali Puglia (Apulien, bei Brindisi) -->Wellness-Hotel "Laurito" direkt nebenan!
Caltanissetta / Tenuta La Fenice (im Zentrum Siziliens) --> Avioresort mit Pool

Auch der seit Langem für die Allgemeine Luftfahrt geschlossene Flugplatz Lecce-Lepore in Apulien (Kennung LINL) wird sporadisch als campo di volo betrieben und ist daher grundsätzlich mit ULs anfliegbar.

Zu bedenken ist aber: Einige campi di volo sind in der Tat sehr anspruchsvoll bzw. in etwas zweifelhaftem Zustand (diese unterliegen nämlich keinerlei Form von Kontrolle durch die Behörden). Daher ist hier umso mehr Vorsicht geboten.

Wenn man die oben genannten Dinge beherzt, gehört das Ultraleichtfliegen in Italien immer noch zu den schönsten luftfahrerischen Erlebnissen die Europa zu bieten hat (siehe z.B. meinen kurzen Clip unter "Videos" oder einige Bilder unter "Fotos"). Noch einmal sei allerdings betont, dass es, wenn man mit einem D-registrierten UL auf italienischen "Aeroporti" operieren will, unumgänglich ist, vorab anzufragen, ob und unter welchen Vorraussetzungen man dort als solches landen darf.


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