Flugvorbereitung/Flugpläne & NOTAMs
Flugpläne & NOTAMs

VFR-Flugpläne (zu IFR-Fluplänen siehe Abschnitt „IFR in Italien“)

Früher einmal bestand für VFR-Flüge am Tag auch innerhalb Italiens weitgehende Flugplanpflicht, d.h. wenn immer eine FIR-Grenze überflogen wurde oder kontrollierter Luftraum in Anspruch genommen wurde, musste auch für einen reinen Tag-VFR-Flug ein Flugplan aufgegeben werden. Glücklicherweise ist man seit Jahren von dieser Pflicht entbunden, wenn das Flugzeug mit einem ELT ausgerüstet ist, was wohl für praktisch alle VFR-Reiseflugzeuge zutrifft. (Gemeint sind die herkömmlichen 121.5 MHz-Geräte; im Gegensatz zu z.B. Frankreich sind in Italien 406 MHz-ELTs noch nicht obligatorisch).

Somit ist für VFR-Flüge am Tag ein (vor dem Flug aufgegebener, kompletter) Flugplan - so wie in Deutschland - eigentlich nur für grenzüberschreitende Flüge nötig. Hierunter seien wohlgemerkt nicht nur jene Flüge verstanden, bei denen die Landung in einem anderen Land stattfindet als der Start, sondern alle Flüge, bei denen internationale FIR-Grenzen passiert werden. Soll heißen: Sollten Sie jemals z.B. von Ligurien nach Sardinien Fliegen und dabei Korsika überfliegen: Machen Sie einen Flugplan, denn das ist Pflicht!

Im Gegensatz zu z.B. Spanien und Kroatien ist es aber nicht grundsätzlich notwendig, vor dem Flug einen Flugplan aufzugeben, wenn man einen VFR-Inlandsflug macht und dabei teilweise den kontrollierten Luftraum (z.B. bei Abflug, bei Anflug oder beim Durchflug einer CTR) in Anspruch nehmen möchte. In diesem Fall wird - SERA entprechend - per Funk ein kurzer ad-hoc Flugplan direkt bei der für den Luftraum zuständigen Kontrollstelle gemacht; in der Praxis läuft das genau so ab wie früher auch bei der Einholung einer Einflugfreigabe. (Anmerkung: es hat hier direkt nach Einführung von SERA im Dezember 2014 reichlich Wirbel gegeben, da die ENAC zunächst dies in ihrem Regelwerk nicht korrekt umgesetzt hatte; im Frühjahr wurde aber aufgrund von Drucks u.a. der AOPA eine Änderung erreicht, welche nun wieder für "deutsche" Verhältnisse gesorgt hat).

Das anzuwendende Format für die Aufgabe von Format von Flugpläneen in Italien ist natürlich der ICAO-Standard. Den Vordruck der italienischen Behörden habe ich als pdf-Datei bei den Downloads hinterlegt. Natürlich funktioniert auch z.B. der DFS-Vordruck; dennoch macht es die Sache nach meiner Erfahrung leichter, wenn man bei Fax-Übermittlung den jeweils landestypischen Vordruck verwendet. (Allerdings werden heutztage natürlich die meisten Flugpläne online verschickt und nicht mehr per Fax.)

Ein Wort zum Routenfeld (Feld 15) des Flugplans bei VFR-Flügen in Italien: In der AIP Italia steht nichts darüber, mit Hilfe welcher Punkte diese zu definieren sei. Grundsätzlich würde man also die ICAO-Standards heranziehen. Dennoch sieht es in der Praxis anders aus: ATS-Wegpunkte (oftmals als "IFR-Waypoints bezeichnet) sind eher unüblich. Sehr üblich hingegen ist es, die VFR-Meldepunkte der zahlreichen Kontrollzonen einzutragen. Auch im Flugfunk werden diese sehr häufig benutzt und von allen Lotsen gut gekannt. Auch normale Locations Indicators, also Ortsnamen, sind in Italien hierfür üblich.

Die Aufgabe von Flugplänen hat früher grundsätzlich direkt über die so gennanten AROs (Air Traffic Service Reporting Office) stattgefunden. Dies waren praktisch kleine regionale AIS-Büros, die sich an allen größeren kontrollierten Flughäfen befanden. Mittlerweile ist in Italien das geschehen, was wir in Deutschland schon vor einigen erlebt haben: die meisten AIS-Büros wurden nach und nach geschlossen und die AIS-Dienstleistungen auf einen zentralen Ort konzentriert. Im Fall von Italien gibt es nun im Wesentlichen zwei zentrale AROs, und zwar Mailand für den Norden und Rom für den Süden (es gibt weiterhin noch ein paar Flugplätze, die anderen, militärischen AROs zugeordnet sind; z.B. sind die Flughäfen Pisa, Lucca und Elba nach wie vor des lokalen AROs von Pisa zugeordnet).

Zu den Nummern der zentralen AROs von Mailand Linate und Rom Fiumicino:

Mailand:

Die richtige Telefonnummer hängt davon ab, welcher Flugplatz für den Start bzw. die Landung benutzt wird; siehe dazu die AIP unter GEN 3.1. Ist der Platz dort nicht explizit aufgeführt, sollte man die Nummer des nahesten aufgeführten Platzes wählen.

Flugpläne können seit einiger Zeit auch per email übermittelt werden. Die Adresse lautet:

arocbo.liml@enav.it

Rom:

Auch hier gilt: Die richtige Telefonnummer hängt davon ab, welcher Flugplatz für den Start bzw. die Landung benutzt wird; siehe dazu die AIP unter GEN 3.1). Ist der Platz dort nicht explizit aufgeführt, sollte man die Nummer des nahesten aufgeführten Platzes wählen.

e-mail: arocbo.lirf@enav.it

Die Aufgabe kann in beiden Fällen also per Fax, e-mail, oder auch per Telefon stattfinden. Ich empfehle in der Regel sogar die telefonische Aufgabe, denn so wird sichergestellt, dass der Flugplan nicht irgendwo liegen bleibt oder verloren geht. Außerdem können so gleich Fehler aussortiert werden. Das Personal in den AROs spricht stets ein recht passables Englisch.

Online-Aufgabe

Jahrelang hat die italienische ENAV daran gedoktort, seit Ende 2014 gibt es nun endlich auch die Möglichkeit der Online-Aufgabe für Flugpläne mit Start in Italien.

Hier der Link zu dem Portal (leider bisher teilweise nur auf Italienisch). Um es zu benutzen, muss man sich vorher auf der Website registrieren (der Vorgang ist derselbe wie für den Zugang zur AIP, daher sei für Details hier auf den Abschnitt "AIP/Karten" verwiesen; sollte man schon einen login für die AIP besitzen, so kann man diesen genauso für den Bereich der Flugplanaufgabe nutzen).

Das Portal ist nichts weiter als ein Eingabemaske, mit der eine email an das ARO vor-formatiert und abgesendet wird. Man muss sogar am Schluß noch selbst wählen, ob der Flugplan nach Mailand oder nach Rom geschickt werden muss, d.h., wenn man in der Mitte Italiens losfliegen ist, muss man wissen, welches ARO territorial zuständig ist. Tipp: Die "Trennlinie" verläuft etwas südlich der Linie Genua / Rimini (siehe AIP, ENR 3.1.)

Es werden beim Eingeben des Flugplans auch keine Kontrollen wegen Syntaxfehlern oder falschen ICAO-Gruppen durchgeführt. Auch Hilfe bei der Erstellung von IFR-Routen (wie z.B. beim Portal der DFS) wird nicht geboten. NOTAM-Briefings können dort bisher ebenfalls nicht online eingeholt werden. Insgesamt ziemlich dünn für mehrere Jahre Entwicklung! Es ist wirklich nicht mehr als eine Eingabemaske, welche die e-mail an das ARO vor-formatiert. Außerdem habe ich gehört, dass es damit weitere Probleme gibt. Also: keine gute Option.

Für diejenigen (wenigen) von uns, die noch immer ohne Programme wie Skydemon oder Rocketroute unterwegs sind, ist das Online-Portal der ENAV zwar eine sinnvolle Ergänzung. Aber auch hier gilt: Flugpläne sollten ca. 10 Minuten nach der Aufgabe telefonisch vom Piloten rückbestätigt werden!

Auch über das Online-Portal der DFS kann man bekanntlich Flugpläne aufgeben, auch dann, wenn der Flug im Ausland losgeht. Es ist allerdings so, dass die DFS dann nichts anderes tut als diesen Flugplan so wie er ist an den zuständigen AIS im Ausland weiterzuleiten, damit der sich darum kümmert. Das heißt: man fügt lediglich eine weitere Schnittstelle ein. Trotzdem kann man natürlich auch auf diese Möglichkeit zurückgreifen und spart sich so den hakeligen Umgang mit dem ENAV-Portal.

Aufgabe über kommerzielle Drittanbieter

Natürlich können VFR-Flugpläne auch über Flugplanungsdrittanbieter wie z.B. Rocketroute, Homebriefing, Blitzplan oder Eurofpl bzw. Skydemon aufgegeben werden. Bei mir hat dies (Aufagbe über Skydemon) in der Vergangenheit problemlos funktioniert.

Ich betone aber, dass ich bei VFR-Flugplänen mit Start in Italien die besten (=problemlosesten) Erfahrungen mit telefonisch direkt bei den italienischen AROs aufgegebenen Plänen gemacht habe. Es ist nämlich so, dass der italienische AIS, also die AROs, eine potentielle Schwachstelle des Systems ist. Man darf sich diesen nicht wie den sehr effizienten und zuverlässigen deutschen AIS vorstellen Leider gehen in Italien gelegentlich mal VFR-Flugpläne "verloren". In der Regel, weil das ARO, welches den Flugplan ursprünglich erhalten hat, den Plan komplett verschlampt oder vergessen hat, oder weil die Adressierung an die betroffenen Stellen nicht richtig vergenommen wurde. Schützen kann man sich auf zweierlei Weise davor: 1. vor dem Start beim Turm / AFIS anrufen und fragen, ob der Flugplan auch vorliegt (bei Starts von Plätzen ohne ATS sollte beim zuständigen ARO (Mailand oder Rom) anrufen und fragen, ob der Plan erhalten und verteilt wurde); 2. kann man davon ausgehen, dass bei Aufgabe direkt beim ARO (also via Telefon oder Fax) weniger risikoreich ist. Die Aufgabe über Flugplanungsprogramme ist grundsätzlich geringfügig riskanter, schlicht weil die Gefahr besteht, dass der Plan eben beim AIS (in deren Software-System) liegen bleiben könnte

Allgemeines zu Flugplänen in Italien

Auch per Fax oder e-mail übermittelte Flugpläne soll man ohnehin kurz darauf per Telefon vom ARO bestätigen lassen (VFR und IFR) - es kann sonst passieren, dass der Flugplan überhaupt nicht ins System kommt (siehe oben). VFR-Flugpläne sind mindestens 30 Minuten und - Achtung - maximal 24 Stunden vor EOBT aufzugeben.

Sobald ersichtlich wird, dass Sie die in Ihrem VFR-Flugplan eingetragene EOBT um mehr als 30 Minuten überschreiten werden, müssen Sie eine Delay-Message abgeben, ansonsten müssen Sie damit rechnen, dass der Flugplan im Papierkorb landet. 

VFR-Flugpläne werden bei Flugpplätzen mit ATS-Stelle (das sind sowohl die Flügplätze mit Tower als auch die so genannten AFIS-Plätze) automatisch geöffnet und geschlossen. Dennoch rate ich dringend, zur Sicherheit auch nach der Landung auf einem solchen kurz nach dem Abrollen noch einmal den Tower oder Ground bzw. AFIS zu fragen: „Please confirm you closed my flightplan?“ Dann ist die ganze Sache nämlich auch auf Band.

Auf unkontrollierten Plätzen ohne ATS-Stelle (Funkstelle "Radio") können Sie entweder die Flugleitung bitten, dies zu tun, oder (im Fall der Landung) dies selbst telefonisch beim zuständigen ARO tun. In Ausnahmefällen ist das Schließen von Flugplänen noch in der Luft vorgesehen. Analog werden Flugpläne von TWR- und AFIS-Plätzen automatisch geöffnet. In allen anderen Fällen muss man den Flugplan nach dem Start bei der erstmöglichen Flugsicherungstelle (TWR, APP, FIS) mittels Startmeldung aktivieren.

Eine weitere persönliche Erfahrung meinerseits: In Italien ist es manchmal unter Umständen von Vorteil, auch bei VFR-Inlandsflügen einen Flugplan aufzugeben, denn im Gegensatz zu Deutschland werden diese in Italien auch an die sich auf der Strecke befindlichen ATC-Stellen verteilt. Und wenn die italienischen Lotsen einen solchen bereits vorliegen haben, tun sich diese oft deutlich leichter damit, gute Routings und Flughöhen zu genehmigen, als wenn man ohne Flugplan fliegt. Besonders gut funktioniert das, wenn man sich im Routenfeld des Flugplans praktisch IFR-Routings, also entlang der Luftstraßen angibt. In diesen Fällen bekommt man meist genau das angefragte Routing und die angefragte Höhe (VFR-Halbkreisflughöhenregel für Italien beachten), und zwar im gesamten Höhenband bis FL195 (außer natürlich im Luftraum A). Es ist allerdings zu bedenken, dass die Airway-Routings oft etwas länger sind als Direkt-Routings in 1000-2000 Fuß.

NOTAMs

Während das Einholen der (sowohl airport- als auch FIR-bezogenen) NOTAMs eigentlich ohnehin ein Pflichtelement jeder Flugvorbereitung sein sollte, so ist in Italien die Kenntnis der NOTAMs von noch größerer Bedeutung als anderswo. Der Grund ist, dass in Italien sehr oft viele für einen Flug aüßerst relevante Umstände durch NOTAMs, teilweise durch permanente NOTAMs, veröffentlicht werden. Das ist auch der Grund, warum in vielen Fällen z.B. kein Treibstoff zur Verfügung steht oder kein Parkplatz vorhanden ist, obwohl in der AIP nichts Gegenteiliges steht. Besonders wichtig ist es bei jedem NOTAM-Briefing, keine falschen Filter-Einstellungen zu haben, wodurch z.B. NOTAMs, die älter als 90 Tage sind, ausgeblendet werden.

In Italien können die NOTAMs wiederum über die AROs bezogen werden, also dort, wo auch die Flugpläne aufgegeben werden. Wenn man zuhause oder im Hotel ist, braucht man ein Fax (Anfrage telefonisch beim ARO), wobei das natürlich sehr "oldschool" ist. Darüber hinaus bietet es sich an, NOTAMs wegen der größeren Bequemlichkeit auch für Flüge in Italien von anderen Quellen, also z.B. der DFS abzurufen. Aber Achtung: Die meisten kleinen Aeroporti (z.B. Trento, Asiago, Massa Cinquale, aber auch z.B. Venezia-Lido oder Roma Urbe) sind in manchen online verfügbaren NOTAM-Datenbanken (z.B. bei Rocketroute) nicht geführt, da deren NOTAMs als so genannte „C-Notams“ klassifiziert sind. Dies erkennt man daran, dass bei einer NOTAM-Abfrage so etwas wie „no data available for the following AD: LI[XX]”. Manchmal steht dann dort aber auch so etwas Mißverständliches wie "No NOTAMs available for this location". Also Vosicht! In jedem Fall liegen die NOTAMs beim Online-Portal der DFS seit einiger Zeit stets vollständig vor. Alternativ funktionieren auch die NOTAM-Briefings auf der französischen AIS-Seite ganz gut. Link:

http://notamweb.aviation-civile.gouv.fr

Gute Erfahrung habe ich auch mit den NOTAMs aus Skydemon gemacht. Sprich: sie scheinen mir in der Regel komplett zu sein.

Oder man ruft direkt bei dem betroffenen Flugplatz oder betreibendem Aeroclub an, um zu erfahren, ob es irgendwelche aktuellen Besonderheiten gibt. Insbesondere gibt es leider immer wieder eine Reihe kleinerer Aeroclubplätze, die mangels adäquater Feuerwehrbereitschaft über längere Zeiträume geschlossen sind.

Sämtliche Aviosuperfici werden überhaupt nicht in den NOTAM-Datenbanken geführt; daher ist ein Anruf beim Betreiber die einzige Möglichkeit, sich über mögliche Schließungen usw. zu informieren.

Wichtig ist, wie gesagt, dass man stets alle relevanten NOTAMs / Platzinfos hat.


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