Flugvorbereitung/Zoll
Zoll / Grenzpolizeiliche Abfertigung

Auch in Italien gelten natürlich zunächst einmal die allgemeinen Grundsätze, die hier der Vollständigkeit halber noch einmal wiederholt sein sollen:

Grundsätzlich muss, ausgenommen entsprechende Ausnahmen dank EU und Schengen (siehe weiter unten), vor jedem internationalen Flug, also auch von und nach Italien, eine Zollabfertigung sowie die Möglichkeit der grenzpolizeilichen Abfertigung, sprich zur Personenkontrolle vorhanden sein.

Eine übersichtliche Liste der italienischen Zollflugplätze findet man z.B. in der AIP (AD 1.3) oder im Abschnitt "Aerodromes" des Jeppesen. Achtung: Bei nicht wenigen dieser Plätze ist der Zoll nur O/R bzw. PPR, also auf vorherige Anfrage verfügbar. Hier muss man außerdem damit rechnen, dass er dann extra zu bezahlen ist. Daher sind für einen reinen Zollstopp eher Plätze mit permanent anwesendem Zoll zu empfehlen. Bei dem Klassiker, nämlich dem Einflug nach Italien von Osten kommend, bzw. dem dem Ausflug aus Italien Richtung Osten (Kroatien, Montenegro, Albanien) fallen mir an der italienischen Adriaküste spontan im Norden Treviso (LIPH) und Rimini (LIPR) und im Süden Brindisi (LIBR) als recht günstige und GA-freundliche Zollplätze ein. Für einen Flug aus der oder in die Schweiz bieten sich Bozen (LIPB) und Cuneo (LIMZ) an. Meiden hingegen sollte man aufgrund der Extragebühren eher jene Plätze, bei denen Zoll PPR ist, z.B. Biella (LILE) oder Parma (LIMP). In Trieste/Ronchi dei Legionari (LIPQ) ist der Zoll zwar nicht PPR, wird aber offensichtlich dennoch kräftig extra in Rechnung gestellt! Moderat hingegen sind die Zollgebühren auf den Flugplätzen Aosta (LIMW) und Venezia-Lido (LIPV).

Im Einzelfall geändert haben die Zollpflicht bzw. Grenzpolizeipflicht die Europäische Union sowie das Schengener Abkommen. Es gilt grundsätzlich: bei Flügen zwischen zwei Ländern der Europäischen Union fällt die Zollkontrolle weg; bei Flügen zwischen zwei Ländern des Schengener Abkommens fällt die Personenkontrolle weg. Ist beides der Fall, hat man das Glück, lediglich einen Flugplan machen zu müssen und die Sache ist erledigt, d.h. man kann - es sei denn, die entsprechenden AIPs sagen etwas Gegenteiliges (z.B. Griechenland!) - auch grenzüberschreitend von und zu jedem beliebigen Platz (inklusive den Aviosuperfici) fliegen. Von diesem Umstand profitiert man z.B. wenn man von Deutschland, Frankreich oder Österreich nach Italien bzw. umgekehrt fliegt, und zwar auch dann, wenn man dabei z.B. den Luftraum der Schweiz überfliegt, die ja bekanntlich kein EU-Mitglied ist. Allerdings: muss man während eines solchen Fluges das Ziel ändern und in der Schweiz landen, muss - außer natürlich im Notfall - ein Zollflugplatz angesteuert werden.

Zur Erinnerung: Folgende Staaten sind sowohl EU- als auch Schengenmitglied:
Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien, Holland, Luxemburg, Deutschland, Italien, Österreich, Finnland, Griechenland, Dänemark, Schweden, Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Tschechien, Slowakei, Slowenien und Ungarn. Grundsätzlich ist allerdings dennoch in der AIP zu prüfen, ob die Pflicht, zunächst einen "internationalen" Flughafen anzusteuern, tatsächlich aufgehoben wurde. Griechenland ist in diesem Zusammenhang ein Spezialfall (das Schengenabkommen wurde nicht für den Luftverkehr umgesetzt) und muss somit dennoch stets über einen internationalen Flughafen angeflogen und wieder verlassen werden.

Fliegt man zwischen Ländern, die zwar EU-, nicht aber Schengenmitglied sind, sprich es ist zwar keine Zollkontrolle, wohl aber eine Personenkontrolle nötig, muss man grundsätzlich gezwungenermaßen auch Zollflughäfen verwenden, da in der Regel auch nur dort eine polizeiliche Grenzabfertigung möglich ist. Staaten der genannten Kategorie sind nur noch:

Das Vereinigte Köngreich, Irland, Zypern, und Bulgarien, Rumänien und vor allem - seit 2013 - Kroatien. Dazu soll Folgendes gesagt sein:

Für den genannten Fall hat der italienische Gesetzgeber per Gesetz (146/94) allerdings eine tolle Möglichkeit geschaffen; diese ist in der AIP, Abschnitt GEN 1.2 wiedergegeben: auf italienischer Seite dürfen solche Flüge auch von und zu Nicht-Zollflugplätzen (und ausdrücklich auch den Aviosuperfici) durchgeführt werden, und zwar unter der Vorraussetzung, dass:

  1. die Insassen in Besitz gültiger Papiere sind
  2. dies vom Piloten in Feld 18 des Flugplans angegeben wird („tutti i passaggeri sono muniti di documenti validi per l’espatrio“)
  3. der Pilot den Flug telefonisch bei der für den benutzten Flugplatz zuständigen DCA (eine Art regionales Luftamt) oder dem Ufficio Controllo Traffco (also dem lokalen Verkehrskontrollbüro am Flughafen) anzeigt, und zwar mindestens drei Stunden vor Abflug.

Den Punkt 3 betrachtet die AOPA Italia als gegenstandslos, da er angeblich gegen europäisches Gesetz verstößt. Mit einem Anruf kann man sich allerdings Ärger ersparen, deshalb muss jeder letztlich für sich selbst entscheiden, ob er diesem Punkt nachkommen will. Leider haben die AIS-Büros im Ausland oft keine Kenntnis dieser Regelung und lehnen Flugpläne zu italienischen Nicht-Zollplätzen gelegentlich ab. Man muss dann darauf verweisen, dass man "permission" für die Schengen-Einreise auf dem jeweiligen Platz in Italien hat.

Die unter 3. genannte Anmeldung des Flugs macht man am besten per e-mail. Die Adressen der DCAs finden sich jeweils am Anfang des Abschnitts AD des jeweiligen Flughafens. Im Fall von Aviosuperfici (die Anmeldung muss dann 12 Stunden vor dem Flug stattfinden) schreibt man am besten des DCA des nahestgelegenen Aeroporto an.

Ein ganz anderes Thema ist, inwiefern bei solchen Flügen z. B. auf kroatischer Seite nun noch Zollplätze genutzt werden müssen, denn Kroatien ist zunächst weiterhin kein Schengen-Mitglied; und ob auch die Kroaten solch pragmatischer Lösungen wie hier im Fall Italien zugänglich sind, muss sich erst noch zeigen. Bisher gibt es dafür keine Anzeichen. Man muss für jeden einzelnen kroatischen Platz separat prüfen, für welche Flüge der Platz unter welchen Bedingungen zugelassen ist.

Der umgekehrte Fall (sprich: Schengen: ja, EU: nein) tritt insbesondere bei Flügen aus der und in die Schweiz ein (auch Norwegen ist so ein Fall, der aber wiederum im Zusammenhang mit Italien wenig relevant ist). Soll heißen: Obwohl die Schweiz schon vor einigen Jahren das Schengen-Abkommen umgesetzt hat, bleibt es Nicht-Mitglied der EU. Damit bleibt leider – zumindest vorerst – grundsätzlich die Pflicht bestehen, Zollflugplätze anzufliegen. Allerdings können mittlerweile auf Schweizer Seite mit einer Zollanmeldung fast alle Flugplätze für den Einflug / Ausflug genutzt werden. Auf italienischer Seite muss allerdings bei Flügen von und aus der Schweiz grundsätzlich nach wie vor ein Zollplatz genutzt werden. Eine Erleichterung wie jene für Non-Schengen-Flüge (siehe oben) gibt es bei Non-EU-Flügen in Italien leider nicht.

Für die italienischen Behörden ist übrigens der deutsche Personalausweis ein ausreichendes Dokument für die Ein- bzw. Ausreise. Ob das bei anderen Ländern der Fall ist (speziell im osteuropäischen oder afrikanischen Raum) ist vorab zu klären. Im Zweifel: Reisepass mitführen!


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