Flugziele/Elba
Insel Elba / Flugplatz Marino di Campo (LIRJ)

Elba! Ein magisches Wort nicht nur für Italien-Urlauber generell, sondern insbesondere auch für Privatpiloten, denn sinnvollerweise besitzt die toskanische Mittelmeerinsel auch einen schönen Flugplatz, der Privatpiloten geradezu zu einem Ausflug einzuladen scheint. Schließlich beträgt die Flugzeit aus Süddeutschland selbst mit einer Cessna 172 gerade mal ca. gute drei Stunden.

In der Tat gehört der Besuch des wunderschönen Flugplatzes und der Insel zu den besten Dingen, die man in Europa mit einem Privatflugzeug machen kann. Ganz besonders im Spätfrühling (Blütenzeit), aber auch im Frühherbst.

Zum Thema Gebühren: Schon immer waren die Lande- und Abstellgebühren auf Elba nicht ganz günstig. Das hat damit zu tun, dass dieser Platz privatwirtschaftlich betrieben wird. 2011 geschah es, dass die Parkgebühren nochmals vervielfacht wurden und so einen längeren Aufenthalt auf Elba praktisch unbezahlbar gemacht haben. Glücklicherweise ist damals die italienische AOPA interveniert, und zwar mit Erfolg: Seit 2012 sind die Gebühren wieder mehr oder weniger auf das Niveau von 2010 zurückgekehrt. Im Klartext heißt das: ca. 50 Euro pro Landung mit einem Zweitonner und einem Passagier. Für das Parken kommen pro Tag ca. 15 Euro hinzu, pro weiterem Pax nochmal ca. 12 Euro. Dazu gibt es mittlerweile auf der Insel eine ganze Reihe Rabattangebote für AOPA-Mitglieder! Siehe hier. 2017 wurde das asphaltierte Vorfeld etwas erweitert, so dass man jetzt öfter auch mal auf Asphalt parken kann.

Es ist allgemein kein PPR notwendig. Ausnahme: Flieger mit über 12 Metern Länge (z.B. PC12) müssen aus Gründen des Brandschutzes genau genommen 48 Stunden (!) vorher eine Anmeldung machen. Auch für Zoll braucht man eine Voranmeldung.

Als Tankstopp lohnt sich der Platz bei einem Avgas-Preis von (Stand 2019) ca. 3,20 Euro allerdings absolut nicht. Es ist so ziemlich das teuerste Avgas in ganz Italien. Jetfuel kostet übrigens knapp über 2 Euro. Immerhin: seit Juni 2017 gibt es jetzt auch Mogas am Airport, allerdings zum ebenfalls recht stolzen Preis von ca. 2,50 Euro.

Ein Besuch Elbas sei somit allen ambitionierten Piloten ans Herz gelegt. Zur Vorbereitung seien neben den üblichen offiziellen Publikationen zum einen die Website des Flughafens genannt, sowie folgendes:

Schulflüge (wenn man das nachweisen kann) bezahlen weniger. Etwas Rabatt gibt's auch für sämtliche Aeroclub-Flugzeuge, sowie wenn man AOPA-Mitglied ist (auch AOPA USA geht). Man muss aber das Personal gelegentlich daran erinnern, den AOPA-Rabatt einzurechnen. Außerdem werden (wie meistens in Italien) die Lande- und Handlinggebühr pro ganze Tonne MTOW abgerechnet, d.h. ein Flug mit einem Eintonner kostet deutlich weniger als mit einem Zweitonner. Seinen Weiterflugplan sollte man anderweitig und nicht direkt erst am Platz aufgeben, denn auch das kostet extra. Leider wird bei Privatflügen in der Regel kein zweites Besatzungsmitglied akzeptiert, d.h. wenn man z.B. zu viert ist, bezahlt man stets drei Paxe.

Bei Südwind wird auf der 16 gelandet; hier muss man dem in der VAC veröffentlichten Flugweg ("Guardiola Approach") folgen und immer schön nah am Gelände bleiben und nicht zu schnell sein, sonst landet man lang.

Bei Nordwind wird auf der 34 Richtung Berg gestartet; dies sollte man aber nur tun, wenn man genug Leistungsreserve hat. Wägen Sie speziell bei hohen Temperaturen und großer Beladung sehr gut ab, ob Sie bei leichtem Nordwind tatsächlich auf der 34 starten wollen, oder doch ein paar Knoten Rückenwind akzeptieren und auf der 16 Richtung Meer rausgehen sollten (in die Richtund keinerlei Hinderisse). Nicht wenige Flugzeuge sind beim Start bzw. beim Durchstarten auf der 34 bereits schwer verunglückt. Hier finden Sie ein Video, das den berüchtigten Abflug von der 34 zeigt (ich war hier der Pilot).

Der Platz ist wunderschön in die Insellandschaft zwischen fünf Meter hohen Schilffeldern eingebettet. Kleine GA-Maschinen werden, wenn sie mehr als ein paar Stunden bleiben wollen, meist auf ein Vorfeld mit komapktierter Sandoberfläche geschickt. Das Personal bietet es an, den Flieger zu vertäuen.

Insgesamt ist das Personal am Platz hilfsbereit, entspannt und freundlich, wenn auch nicht überschwänglich (es handelt sich um keinen "Aeroclub-Platz"). Es hat außerdem Zeit, und so verliert man bei Anmeldung und Bezahlen immer etwas davon.

Es gibt ein einfaches Hotel (mit Pool) direkt am Platz ("Aviotel") sowie ein Restaurant. Aber persönlich denke ich, es wäre eine Schande, nicht stattdessen ein Zimmer in Marina di Campo zu nehmen und dort den Abend zu verbringen. Außerdem gibt es einen kleinen Supermarkt direkt am Platz, an welchem man z.B. Getränke, oder gar etwas für ein Picknick einkaufen kann.

Bei Abflügen mit Zulu-Flugplan ist vor dem Anlassen eine Freigabe von Marina di Campo Information einzuholen.

Routentipps:

Wie man von Norditalien an die toskanische Küste kommt, ist im Abschnitt "Forte dei Marmi / Massa-Cinquale" beschrieben. Ab Massa ist es üblich, der veröffentlichten Standard-Strecke entlang der Küste zu folgen. Diese ist wunderschön und geht über Viareggio und Marina di Pisa nach Livorno. Einziger Nachteil: Diese kann oft nur in maximal 1000 Fuß GND beflogen werden; Ausnahmen, also etwas größere Flughöhen, lässt Pisa Approach leider nicht immer zu, da dann ein Konflikt mit den (speziell aufgrund Ryanair doch recht häufig stattfindenden) Instrumentenanflügen auf die Piste 04 von Pisa entstehen würde. Tipp: in FL70 und höher geht es besser.

Ab Livorno gibt es wiederum zwei Möglichkeiten: Entweder man fliegt von dort direkt nach Elba (bedeutet eine Flugzeit über offenes Wasser von ca. 20 Minuten bei 120 Knoten) oder man fliegt die Küste noch weiter entlang über Castglioncello bis nach Piombino. Von dort ist es nur noch ein dreiminütiger Katzensprung nach Elba.

Für diejenigen, die mit dem Fliegen längerer Strecken über Wasser kein Problem haben, gibt es ab Massa-Cinquale noch eine Alternativroute übers Meer. Ab Massa fliegt man (unter Beachtung der Pisa CTR) mit Kurs Südwest quasi direkt zur "Isola di Gorgona", einem kleinen Archipel ca. 20 NM westlich von Livorno. Ab dort fliegt man südlich Richtung "Isola di Capraia" und von dort direkt nach Elba. Vorteil dieser Route: Weniger Verkehr als auf der Küstenroute. Außerdem kann man meist deutlich höher als 1000 Fuß GND fliegen.

Freizeittips:

Der Airportshuttle bringt einen für 10 Euro nach Marina di Campo und holt für dasselbe Geld wieder ab. Alternativ kann man am Platz Autos leihen (www.elbabycar.it); dieser Verleiher ist aber eher einen Tick teuer (wobei es dort für AOPA-Mitglieder 15% Skonto auf die Normalpreise gibt) und außerdem im Sommer häufig "ausverkauft". Alternativ lohnt sich ein Blick auch auf www.elbarent.eu. Dieser Verleiher ist etwas weniger teuer. Allgemein gilt: ob man nun vorreserviert oder nicht; die Preise sind die gleichen. In der Nebensaison gibt es also kaum einen Grund, vorzureservieren. In der Hauptsaison hingegen macht das viel Sinn.

Der Fußweg nach Marina di Campo dauert gute 20 Minuten und kann mit Gepäck und in der Mittagssonne sehr mühevoll sein. Wie gesagt, das Shuttle kostet nur 10 Euro.

Aufgrund seiner Größe und Beschaffenheit eignet sich Elba jedoch eigentlich perfekt dazu, mit einem Motorroller erkundet zu werden, das ist traumhaft! Elbarent hat solche. Auch in Marina di Campo gibt es mehrere Verleihdienste. Lassen Sie sich im Zweifel vom Airport-Taxi dorthin bringen. Das Vergnügen ist allerdings (wie alles in Elba) nicht billig; ein Roller kostet pro Tag fast genauso viel wie ein Auto! Traumhaft sind insbesondere die Küstenstraßen im Westen der Insel! Es gibt haufenweise Buchten mit schönen Stränden, jede Ecke sieht anders aus. Auch die "Hauptstadt" der Insel, Portoferrraio, mit seinem Hafen und den Gässchen in Altstadt kann man sich natürlich mal anschauen. Dennoch bleibe ich bei meinen Besuchen in der Regel direkt in Marina di Campo, welches mir am besten gefällt.

Sehr empfehlenswert ist wegen des frischen Fischs und des schönen Blicks über die Bucht das Strandrestaurant "La Lucciola" in Marina di Campo (Tel. 0565/976395), welches aber nur im Sommer geöffnet ist. Mein Favorit! Aber: nicht ganz billig!

Im Ortsinnern von Marina di Campo gibt es u.a. das Restaurant "Il Cantuccio", wo es dort AOPA-Mitglieder satte 20% Rabatt gibt!

Was Hotels angeht, findet man hier eine gute, übersichtliche Hotelliste für alle Orte auf der Insel. In Marina di Campo war ich einmal mit "La Barcarola" sehr zufrieden: Mitten im Zentrum, dennoch mit Privatparkplatz und auch in der Saison nur ca. 60 Euro pro Bett. Außerhalb der Hauptsaison ist das Hotel Mistral sehr günstig. Es ist außerdem sehr freundlich und persönlich, was ich gerne habe. Lediglich (wie so oft in Italien) etwas hellhörige Zimmer. Ein schönes Restaurant mit traumhaftem Blick von der Terasse ist das "Retrogusto", das sich entlang der Straße von Procchio nach Portoferraio befindet. Auch Portoferraio ist sehr schön. Es empfiehlt sich, während der Mittagspause ein bisschen durch die Gassen auf dem Hügel zu schlendern.


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