Flugziele/Sardinien
Sardinien

Schon das Wort "Sardinien" hat auf Italien-Fans eine fast magische Wirkung – auch auf mich.

Die Insel ist wunderschön und die Strände gehören zu den Besten, die Europa zu bieten hat. Von der rauen Schönheit der Costa Smeralda ganz zu schweigen! Ein Besuch mit dem Flugzeug lohnt sich auf jedem Fall.

Leider geht es es der Allgemeinen Luftfahrt in Sardinien seit einigen Jahren sehr schlecht. Einige werden sich erinnern, dass vor ca. acht Jahren eine Luxus-Steuer auf Landungen von Privatflugzeugen eingeführt wurde. Obwohl diese am Ende nur zwei Jahre lang Bestand hatte, hat sie der Allgemeinen Luftffahrt in Sardinien nachhaltigen Schaden zugefügt; seitdem hat sie sich nie wieder richtig erholt. Dementsprechend ist heute leider die Infrastruktur für Privatflieger in Sardinien gar nicht besonders gut. Die kleinen Flughäfen Oristano (LIER) und Tortoli-Arbatax (LIET) wurden geschlossen. Dazu kommt, dass durch vielfältige Landschaftsschutzmaßnahmen auch die ganz kleinen Sportflugplätze immer wieder von der Schließung bedroht werden. Dennoch gibt es ein paar Möglichkeiten zum Landen. Folgendes sollte man vor dem Sardinien-Flug wissen:

Luftraumstruktur

Aufgrund einer Vielzahl von Flugbeschränkungsbebieten gilt in Sardinien umso mehr die Sorgfaltspflicht bei der Flugvorbereitung. Besonders im Südosten der Insel ist auf die LI-R 39 zu beachten, welche wochentags immer aktiv ist (NOTAMs checken!) und dann den Flug entlang der Küste verhindert. Viele andere Gebiete sind lediglich als LI-Ds gekennzeichnet, d.h. es kann grundsätzlich durchgeflogen werden. Es empfiehlt sich aber umso mehr der Kontakt mit Cagliari Approach (soweit erreichbar). Noch einschränkender ist die LI-R 54, die fast die ganze Westküste Sardiniens abdeckt und grundsätzlich Montag bis Freitag aktiv ist. Außerdem sollte man keinesfalls die recht stattlichen Terrain-Höhen und möglichen starken Winde und Turbulenzen Sardiniens unterschätzen.  

Die Flughäfen

Als vorbildliches Beispiel sei zuallererst mal Olbia (LIEO), im Nordosten Sardiniens genannt. Bedingt durch die Klientel ist dies ein sehr serviceorientierter Platz. Die GA spielt hier (zumindest im Sommer) eine wichtigere Rolle als der Linienverkehr. Es ist hier nicht mal PPR notwendig; eine kurze Info vorab an handling@eccelsa.com kann aber nicht schaden. ATC ist sehr gut und pragmatisch. Kleine Maschinen (d.h. alles unter 3-4 Tonnen!) werden in der Hochsaison nicht auf dem Apron 2, sondern auf dem nördlichen Apron 3 geparkt; auch dort massig Platz, daher nie Probleme mit Parken. Leider keine Verzurrpunkte. Abholung durch's Handling. Leider kann man nicht direkt zum Haupt-Terminal (Mietwagen!) gefahren werden, sondern muss für die Formalitäten erst kurz zum GAT. Egal, das allein ist aber das Erlebnis wert; das wohl pompöseste GAT in Europa. Gutes Handling; kein unnötiger Bürokratismus. Wenn die Handling-Leute Zeit haben, wird man auf Wunsch vom GAT zum Terminal (gut 1 km) gefahren (ohne Aufpreis). Auch bei Abflug ist der Ablauf problemlos und zügig. Bezahlung ist in wenigen Minuten erledigt. Die Gebühren sind - wenn man die allgemeine Klientel berücksichtigt, auch für ganz kleine Maschinen moderat. Ein Zweitonner kostet ca. 70 Euro. Avgas ist leider seit ein paar Jahren endgültig nicht mehr im Angebot.

Kurz zur Costa Smeralda: Juli und August ist Hochsaison; sollte man wegen Überfüllung und hoher Preise eher meiden. Ab der letzten August-Woche geht es wieder. Allgemein aber ist - mit Ausnahme von Porto Cervo! - das Preisniveau letztlich nahezu völlig normal. Traumhafte Strände im Überfluss. Porto Rotondo ist ein hübscher Ort (wenn man Boote mag). Auch Poltu Quatu (traumhafter Naturhafen) sollte man mal gesehen haben. Für (Strand)-Aufenthalte sind z.B. Golfo Pevero oder Baia Sardinia zu empfehlen. Auch Liscia Ruja ist ein super Strand. In Porto Cervo sind Super-Reiche unter sich; merkwürdige Snob-Atmosphäre - kann man sich mal ansehen aber dann eher schnell wieder weg! Olbia ist keine besondere Stadt. Ziemlich in Platznähe gibt es ein gutes und bezahlbares Hotel ("Jazz Hotel Olbia"). Im Zentrum von Olbia wird das Restaurant Gallura empfohlen; außerdem ist die Trattoria da Sperritu (Via Nuoro) von mir empfohlen.

Der Flughafen von Alghero (LIEA), im Nordwesten Sardiniens, ist kostenmäßig mit Olbia vergleichbar bzw. geringfügig günstiger. Leider auch hier kein Avgas. Außerdem ist hier PPR gefordert. Wenn man das aber hat, läuft alles sehr flüssig und freundlich ab. Es gibt natürlich Mietwagen aller Couleur; außerdem eine gute Tourist-Information im Terminal.

Die Stadt Alghero ist teilweise venezianisch geprägt und mit ihrer Hafenanlage ganz hübsch und interessant. Das gilt insbesondere für die seeseitige Promenade an der Stadtmauer der Altstadt entlang. Besonders abends sehr schön. Die Stadt hat im Gegensatz zu ein paar anderen Ferienorten auf Sardinien natürlich ihr gewisses Eigenleben. Insgesamt hat dieese Ecke Sardiniens aber eher nicht ganz so viel zu bieten wie die Costa Smeralda; diese Strände sind schön, aber andernorts noch etwas schöner.

Cagliari-Elmas (LIEE) ist der Flughafen für den Süden der Insel. Auch dieser Platz ist PPR. Es gibt mehrere Handling-Agents; die Kosten sind am ehesten bei "Aeroservice" verkraftbar (ganz grob ca. 100 Euro), aber auch dort variieren die Berichte durchaus. Dieser Handling Agent hat auch das Avgas 100LL. Aeroservice ist montags nicht regulär im Dienst und auch an den anderen Tagen macht dieser eine reguläre "Mittagspause".

Aber wie gesagt: für den Süden der Insel mit seinen zahlreichen Stränden und Ferienresorts der einzige richtige Flughafen mit entsprechender Infrastruktur. Außerdem wie gesagt der einzige in ganz Sardinien mit Avgas 100 LL, welches man insbesondere bei Flügen in Richtung Tunesien trotz des extrem hohen Preises von ca. 4 Euro pro Liter sehr gut gebrauchen kann. Es muss sich allerdings auch für das Tanken an die Uhrzeiten des Handling Agents Aeroservice halten. Selbst wenn man diese einhält, muss man für das Tanken Zeit einplanen. Außerdem, wie gesagt, der Sprit ist mafiös teuer.

Der Flughafen Oristano (LIER) im Südwesten der Insel ist leider seit Sommer 2011 geschlossen. Der Flughafen Tortoli-Arbatax (LIET) im Osten der Insel wurde leider endgültig im Oktober 2012 geschlossen. Heute fliegen dort nur noch in beschränktem Maße ULs auf der Bahn.

Aviosuperfici

Nicht nur wegen der relativ hohen Gebühren auf den Flughäfen lohnt sich besonders der Besuch der kleinen Plätze:

Allen voran San Teodoro, einige Meilen südlich von Olbia, quasi direkt am schönen Strand von San Teodoro. Leider ist die Piste nur 500 Meter lang und wegen kräftigen Winden manchmal nicht ganz einfach anzufliegen. Der Betreiber, Salvatore Bidau, ist sehr freundlich und betreibt am Platz eine UL-Schule. Allerdings erhebt auch Salvatore eine moderate Lande- bzw. Parkgebühr.

Wirklich großartig ist auch Castiadas (mehr Infos unter "Avioresorts", sowie in meinem Reisebericht "Eine Stiefelrunde" unter "Impressionen"). Info: Im Avioportolano ist der Platz mit nur 500 Metern Länge geführt. Die Piste aber ist effektiv 750 Meter lang. Lediglich in südliche Landerichtung stehen nur 500 Meter LDA zur Verfügung. Dennoch ist vor dem Anfliegen unbedingt ein Anruf beim Betreiber, Paolo Contini (spricht gut englisch) oder den dortigen Fallschirmspringern notwendig. Es wird pro Nacht eine Parkgebühr erhoben. Früher gab es am Platz auch ein Restaurant und mietbare Appartments; dies scheint mir derzeit aber nicht mehr der Fall zu sein.

Auch für einen Besuch der Stadt Cagliari gibt es grundsätzlich zwei Alternativen zu LIEE: "Serdiana - Aviosuperficie del Parteolla" ist 780 Meter lang und liegt 15 km nördlich von Cagliari. Neben dem Platz gibt es ein Restaurant; außerdem gibt es hier Jetfuel. Der Betreiber, Alberto Frau, heißt Gäste willkommen. Es wird allerdings auch hier eine spürbare tägliche Parkgebühr fällig (ggf. ist Hangarplatz verfügbar). Auch um das weitere Fortkommen am Boden kümmert man sich. Knapp 20 km nordwestlich von Cagliari gibt es dann noch den Platz "Decimoputzu - Sa' Doda" mit ca. 700 Metern Länge, ebenfalls mit eigenem Restaurant. Sogar übernachten und über Umwege ein Auto mieten kann man hier. Leider ist der Betreiber, Mariano Podda, etwas restriktiv was Landegenehmigungen für schwere E-Klasse Flugzeuge angeht (obwohl die Piste eigentlich lang genug ist). Außerdem spricht er praktisch kein Englisch, was die Sache leider erschwert.

Ebenfalls landschaftlich sehr schön, da quasi direkt oberhalb einer Steilküste posizioniert, ist der im Westen Sardiniens gelegene Platz (Aviosuperficie) "Torre Foghe". Die Piste ist allerdings auch nur 520 Meter lang und ist vor allem praktisch immer völlig verwaist. Status unbedingt vorab prüfen! Falls nicht möglich zunächst vorsichtig ein paar Überflüge machen. Da es praktisch keinen Ansprechpartner gibt, ist der Platz mittlerweile auch aus dem Avioportolano verschwunden.

Der toll gelegene Flugplatz (Aviosuperfice) "Stintino" wurde 2010 eröffnet und liegt am äußersten nordwestlichen Zipfel Sardiniens, nur 200 Meter vom Strand entfernt. Der Platz ist nicht in AIP oder Jeppesen zu finden, sondern nur im Avioportolano bzw. Aertouring Flight Guide Italy. Dort findet man auch die Telefonnummern der Betreiber, die um kurzes telefonisches PPR bitten. Der Platz selbst und auch die Gegend ist eher rustikal, deutlich anders als die Ostseite Sardiniens. Oft wehr ein staker Wind. Am Platz gibt es keinerlei Infrastruktur, die Piste (720 Meter ohne Hindernisse) ist aber in Ordnung. Es gibt keine Landegebühr; die Abstellgebühr beträgt 15 Euro pro Nacht. Der Ferienort Stintino ist ganz nett; hier gibt es sehr schöne Strände (etwas schöner als direkt am Platz) und insgesamt mehr Leben (zumindest im Juli und August, außerhalb dessen ist er nahezu verlassen).

Ganz in der Nähe von Stintino - nur einige Kilometer östlich - gibt es seit 2015 noch ein weiteres Aviosuperficie in unmittelbarer Strandnähe. Der Platz heißt nach dem gleichnamigen Ortsteilnamen Platamona, auf dem Gebiet der Provinzhauptstadt Sassari. Den Platz gab es schon länger, aber erst 2015 wurde er auf nun 580 Meter verlängert und auch zu einem Aviosuperficie gemacht. 300 Meter vor der Schwelle der 11 verläuft eine Stromleitung. Die Piste hat außerdem etwas Längsprofil. Also eher nicht so sehr für schwere und schnelle GA-Maschinen geeignet. Die Distanz zum großartigen Strand beträgt nur ca. 800 Meter. 200 Meter vom Platz liegt das hübsche B&B "Abbacurrente".

Seit ein paar Jahren gibt es im Südosten der Insel (allerdings nicht direkt in Meeresnähe) einen weiteren Platz, welcher eine 650 bis 700 Meter lange Piste hat. Der Name des Platzes ist Aliquirra und er befindet sich auf dem Gemeindegebiet von Pedasdefogu (Provinz Ogliastra), ca. 40 km südwestlich von Tortoli (LIET). Infos gibt es z.B. hier oder im Avioportolano.

Seit 2014 gibt es noch ein weiteres Aviosuperficie im Nordosten der Insel, mit dem Namen Dorgali / Biriddo. Er befindet sich grob in der Nähe des Städchtens Orosei (gut 50 Kilometer südlich von San Teodoro). Die Piste ist 650 Meter lang. Fallschirmspringer am Platz. Weitere Infos im Avioportolano.

Wie gesagt, keiner der o.g. Aviosuperfici ist im Jeppesen Airfield Manual enthalten. Es empfiehlt sich wie so oft der Avioportolano, wobei auch dieser natürlich nicht immer 100%ig aktuell sein kann, was den Status einiger Pisten angeht.

Spritplanung

Offziell gibt es ist auf Sardinien Avgas nur in Cagliari (LIEE), zu unverschämten Preisen und auch nur zu bestimmten Wochentagen und Uhrzeiten; am besten man meldet dies vorher an. Aufgrund der geographischen Nähe lohnt sich das Tanken daher im Süden Korsikas, d.h. insbesondere in Figari (LFKF). Auf dem italienschen Festland bietet sich z.B. Terni (LIAA) an.

Zeitplanung

Sardische Piloten empfehlen, wegen der sich im Tagesverlauf fast täglich entwickelnden starken Winde und Turbulenzen hier im Sommer vorwiegend nur von Sonnenaufgang bis 10 Uhr, und dann wieder von 18 Uhr bis Sunset zu fliegen. Das mag je nach Saison und Wetterlage teilweise zutreffen, muss es aber nicht. Aber insgesamt gibt es schon recht viele starkwindigge Tage, vor allem im Norden der Insel.

Sonstiges

Obwohl im Jeppesen VFR Manual so aufgeführt, ist es unter praktischen Gesichtspunkten leider nicht möglich, eine PPR-Genehmigung für den Militärflughafen in Decimommanu (LIED) zu bekommen.


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