Flugziele/Venedig
Venedig

Venedig - die Stadt der Verliebten...und nicht nur...

Auch fast alle Privatpiloten, die erstmalig Italien mit dem Flugzeug bereisen, planen einen Stop in Venedig ein. Auch für einen spontanen Wochenendflug ist für Süddeutsche Venedig keineswegs zu weit: vom Münchener Raum aus beträgt die Flugzeit mit einer 172er nur ca. zweieinhalb Stunden. Daher sollen hier die vier Landealternativen mit ihren Vor- und Nachteilen einmal im Detail erläutert werden.

Venezia-Lido (LIPV) (früher: Venezia "San Nicolò")

Der berühmte "Stadtflugplatz" auf dem Venedig vorgelagerten Lido liegt nur ein paar Kilometer südöstlich der Stadt. Seitdem 2007 das neu renovierte Flughafengebäude in Betrieb genommen wurde, heißt der Platz nun nicht mehr "San Nicolò" sondern einfach nur "Lido". Die Website findet man hier. Der Platz ist bekannt für seine einzigartige Lage, den traumhaft schönen Anflug, die fast 100 Jahre alte Baustruktur und die interessante infrastrukturelle Anbindung an Venedig mittels Fähre. Der Platz ist täglich geöffnet (durchgehend), und zwar mittlerweile auch montags. Es ist kein PPR für die Landung notwendig. Avgas ist vorhanden und es gibt es auch Jetfuel, allerdings beides stets sehr teuer. Seit ein paar Jahren gibt es auch wieder die Möglichkeit, mit Voranmeldung (siehe hier) Zoll zu machen (kostet nur ca. 15 Euro extra); es sei aber darauf hingewiesen, dass der Zoll in Lido jedes Mal ziemlich streng und humorlos ist sowie für gut eine halbe Stunde Zeitverlust sorgt. Außerdem verlangt er die höchst genaue Angabe der ETA, was bei längeren Streckenflügen gar nicht möglich ist.

2011 wurden sämtliche veröffentlichten "VFR-Strecken" im Bereich der Venezia-CTR abgeschafft. Allerdings gibt es nach wie vor einige VFR-Meldepunkte, welche nun größtenteils zusätzlich auch Standard-Bezeichnungen haben (November, Sierra, Whiskey, etc.). Den An- bzw. Abflug sollte man selbstverständlich anhand dieser Wegpunkte planen. Von Norden kommend ist insbesondere der Anflug über November (Mestre Nord) und dann mit einem Midfield Crossing über den Flughafen Tessèra (LIPZ) sehr interessant. Aus südlichen Richtungen kommend wird meist über Sierra 2 (Chioggia) und Sierra 1 (Porto di Malamocco) geflogen.

Wenn man mit Y-Plan nach Lido gefilt hat, fliegt man (es sei denn man cancelt schon vorher) ein Cloudbreaking-Verfahren (siehe Kapitel "IFR in Italien") auf dem ILS der Piste 04 von Tessèra (LIPZ, siehe unten); bei Erreichen von VMC cancelt man IFR und fliegt weiter nach LIPV. Ist das Wetter dafür zu schlecht, landet man in LIPZ oder fliegt zum Alternate. Bei einem Start mit Z-Flugplan gibt es ein Verfahren, bei dem eine Art SID "gejoined" wird (siehe AIP). In beiden Fällen müssen aber in LIPV mindestens 1,5km Sicht und 1500 Fuß Ceiling gegeben sein (oder anders gesagt: trotz dieses Verfahrens sind innerhalb der ATZ von Venezia Lido ausschließlich VFR-Flüge gestattet).

Die Grasbahn ist knapp 1000 Meter lang, fest und in der Regel recht ordentlich gemäht. Der Zustand ist Durchschnitt; weich wird sie allerdings praltisch nie. Das eine Bahnende ist völlig hindernisfrei; am anderen Ende sind ein paar Häuser und Bäume zu überfliegen. Alles in allem kommt man hier mit praktisch allen GA-Fliegern problemlos rein und raus. Es empfiehlt sich zum Rollen ein Backtrack auf der Piste, da die Flächen abseits der Piste meist etwas schlechter gepflegt sind. Auch die Parkfächen entlang der Piste sind leider häufig ungemäht. Bei kurzem Stopps oder wenn wenig los ist (sprich: in der Nebensaison) kann man meist auch am Rand des recht kleinen Asphaltvorfelds parken. Alternativ kann man in der Regel auch einen Platz im Hangar bekommen.

Die Gebühren für einen Zweitonner (inkl. 24 Stunden Parken und einem Passagier) liegen bei ca. 45 Euro. Für einen Grasplatz sicher nicht sehr billig, aber es ist eben Venedig. Meiner Meinung nach gehört Venezia Lido zu den schönsten Flugplätzen der Welt.

Auch das renovierte Art-Deco Terminal von 1935 ist allein schon einen Besuch wert. Das dazugehörende Restaurant bekommt meist recht gute Noten von Besuchern (habe es persönlich noch nie ausprobiert). Oder man sucht sich im direkt an den Flugplatz grenzenden Ort ein schönes kleines Restaurant in einer Seitenstraße (z.B. "La Favorita").

Tipps: Klassischerweise nimmt man die normale Fähre, um hinüber nach Venedig zu kommen. Den Anleger "Santa Maria Elisabetta" kann man entweder zu Fuß (1,5km am Wasser entlang) oder, wenn man Gepäck hat, mit dem Taxi, dem Airport-Shuttle oder dem Bus erreichen. Die Fährtickets sind (wie alles in Venedig) nicht ganz billig. Einmal Markusplatz und retour kostet 13 Euro. Alternativ kann man auch für lediglich 4 Euro nur den Sprung nach Santa Elena machen; von dort ist es dann ein sehr schöner Spaziergang entlang dem Wasser bis zum Markusplatz (1,5km). Wenn man es luxuriöser will, kann man für ca. 50 Euro auch ein privates Wassertaxi nehmen, welches nach Absprache direkt vor dem Ausgang des Flugplatzes abholt (an das Personal am Airport wenden). Außerdem kann man am Platz auch Fahrräder leihen, was ideal ist.

Zum Thema Unterkunft: hier sollte man erwägen, gleich auf dem Lido zu bleiben. Denn erstens hat man dann den Strand um die Ecke und zweitens sind die Hotelpreise hier etwas günstiger. Insbesondere in der Nebensaison gibt es hier wahre Schnäppchen; z.B. das "Grande Albergo Ausonia & Hungaria", ein prachtvolles, klassisches Grand Hotel (4 Sterne) mit Spa für für 63 Euro pro Einzelzimmer!

Und noch was Fliegerisches: Sehr häufig bekomme ich e-mails mit der Frage, wie man denn bloß, z.B. von Deutschland kommend, durch das unendliche Kontrollzonendickicht Nordostitaliens nach Venedig durchkommt. Nochmal: Diese Kontrollzonen (Treviso/Aviano/Venedig/Ronchi) sind Luftraum Klasse D und teilweise Klasse C. Es ist also zwar eine Freigabe nötig, doch ein wirkliches Hindernis stellen diese für den VFR-Flieger nicht dar. An die (für diese Gegend teilweise nach wie vor vorhandenen) VFR-Strecken muss man sich nicht unbedingt halten. Geben Sie dem entsprechenden Approach-Lotsen einfach möglichst nachvollziehbar ihre aktuelle Postion und ihre gewünschte Route durch und die Sache wird zu 99% genehmigt (siehe auch den Abschnitt "Luftraumstruktur"). Believe me: it's easy!

Venezia Tessèra (LIPZ)

Der "große", internationale Flughafen von Venedig, ein paar Kilometer nördlich von Venedig selbst und auf einer Landzunge gebaut. Er bietet im Gegensatz zum Lido massig Asphaltbahn, H24 und natürlich ein ILS, ständigen Zoll und Mietautos. Leider aber kein Avgas. Man kann mit dem Taxi, dem Bus oder - origineller - mit dem Wasserbus (ca. 10 Euro) oder - noch cooler - dem privaten Wassertaxi (ca. 80 Euro) zum Markusplatz fahren.

Um in Tessèra landen und parken zu können, ist ein PPR notwendig. Die Anfrage ist gemäß AIP mindestens 2h vor der Landung zu stellen an an einen der beiden folgenden Handling-Agents:

1. SAVE S.p.A. General Aviation Service
Tel: 0039 041 2606906/07 Fax: 0039 041 2606909 e-mail: vaviation@veniceairport.it; Freq: 131.57MHz
Website: http://ga.veniceairport.it/

2. Sky Services S.p.A.
Tel. 0039 041 8627070 Fax: 0039 041 2698394 e-mail: vce@skyservices.it; Freq: 131.90MHz
Website: http://www.skyservices.it/fbo (und dann auf "Venice Tessera" klicken)

Gebührentechnisch ist Tessèra leider in den letzten paar Jahren teuer geworden. Je nach Handler und je nach Details (MTOW, Anzahl Passagiere, Parkdauer ) können diese zwischen 200 und 400 Euro liegen. Sky Services ist hier in jedem Fall eher zu empfehlen als SAVE. Die exakte Aufsplittung der einzelenen kleineren und größeren Gebühren ist wie immer recht abenteuerlich.

Padova (LIPU)

Die Betriebergesellschaft des Flughafens ist Ende 2014 pleite gegangen Der Platz ist zwar weiterhin grundsätzlich geöffnet, der Platz ist aber jetzt leider nur noch VFR (obwohl es weiterhein eine AFIS-Stelle gibt). Auch VFR-Nacht ist nicht zugelassen. Auch Zoll (für Flüge aus der Schweiz oder den Balkanländern) ist nicht mehr möglich (die AIP widerspricht sich in diesem Punkt selbst). Sonst läuft aber alles, inklusive Tanken.

Früher war Padova für viele, insbesondere IFR-fliegende Venedig-Besucher, der goldene Mittelweg zwischen dem teuren Tessera und dem Lido mit seiner Grasbahn. Und auch wenn das mit dem IFR leider vorbei ist, für VFR-Flieger ist der Platz immer noch recht attraktiv. Er hat kurze Wege, Avgas und Jetfuel. Die Gebühren für einen Zweitonner sind mit ca. 35 Euro erträglich. Da nach Tonnen abgerechnet wird, kostet (wie so oft) alles mit einem Flugzeug unter einer Tonne MTOW deutlich weniger.

Vom Flugplatz aus kann man entweder mit dem Taxi für ca. 15 Euro zum Bahnhof fahren oder den Linienbus nehmen (1,50 Euro). Letzterer hat quasi direkt vor dem Flughafengelände eine Haltestelle. Die Linie 6 fährt zum Bahnhof. Das Ticket kann an Bord gekauft werden. Vom Bahnhof fahren sehr regelmässig Züge in 25 Minuten direkt nach Venedig (kostet nur 3,50 Euro pro Person). Auch Mietautos können aber mit vorausgegangener Organisation ab Flugplatz Padua bereitgestellt werden. Allerdings ist das Parken eines Pkws in Venedig unglaublich teuer.

Treviso - Sant' Angelo (LIPH)

Insbesondere seitdem der Flughafen von Treviso von Ryanair (als Alternative zu Tessèra) genutzt wird, ist auch dieser Platz für einen Venedig-Besuch eine Option, denn es gibt dadurch bedingt regelmäßige Shuttle-Busse für relativ wenig Geld direkt zur Piazzale Roma von Venedig. Die Anbindung ist somit deutlich besser als die von Padova (LIPU). Außerdem ist Treviso jetzt der einzige recht günstige IFR-Platz in der Region. Nachteil: Es gibt grundsätzlich erstmal kein Avgas (lediglich der Aeroclub hat Avgas, aber man bekommt nur auf vorherige Anfrage eine begrenzte Literzahl). Es ist für die Landung PPR notwendig, welches idelaerweise am Vortag, in der Praxis aber auch erst direkt vor dem Flug beantragt werden kann:

E-mail: general.aviation@trevisoairport.it
Tel. 0039 0422 315132; Fax: 0039 0422 315139

Ansonsten hat man die üblichen Annehmlichkeiten eines Großflughafens: Rund um die Uhr geöffnet, ILS, Zoll, Jetfuel, Verpflegung, Taxis, Mietwägen, etc. Die Gebühren für einen 2-Tonner liegen inklusive 24 Stunden Parken bei sehr erträglichen 45 Euro. Auch sonst: vergleichsweise unkompliziert und freundlich. Übrigens: Treviso selbst ist meiner Meinung nach eine der schönsten Städte Norditaliens und daher unabhängig von Venedig absolut einen ausgiebigen Besuch wert!

Aviosuperfici oder Campi di volo gibt es in sinnvoller Enfernung zu Venedig leider keine. Meiner Meinung nach sollte es sich aber ohnehin keiner entgehen lassen, den Flugplatz Venezia-Lido im Leben mindestens einmal als PIC angeflogen zu sein. Wenn man allerdings mit einem D-registierten UL unterwegs ist: unbedingt vorab sicherstellen, dass man dort als solches willkommen ist.


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