Flugziele/Mailand
Mailand

Mode, Shopping, Lifestyle und Fußball - dafür steht die norditalienische Metropole Mailand.

Mailand ist durchaus einen Kurzbesuch wert; schließlich ist man von Süddeutschland kommend mit z.B. einer PA28 in ca. 3 Stunden Flugzeit problemlos da. Insbesondere das Inntal mit anschließendem Überflug des Maloja-Passes bietet sich aus Bayern kommend an; aus Baden-Württemberg bieten sich Gotthard, Splügen und San Bernardino an (für Details aller Strecken siehe den Abschnitt "Routen").

Ich persönlich bin zwar kein so großer Freund der Stadt Mailand (ziehe unter den Großstädten Turin um Längen vor); dennoch kenne ich die möglichen Landealternativen ganz gut und möchte diese hier gegenüberstellen. Insgesamt ist Mailand für die GA ein recht teures und auch eher kompliziertes Pflaster. Am meisten möchte ich die Aeroclubpiste auf der Nordseite des Flughafens von Bergamo emfpehlen (siehe weiter unten), aber der Reihe nach:

Milano-Bresso (LIMB)

Bresso ist der GA-Stadtflugplatz von Mailand, im nördlichen, gleichnamigen Stadtviertel gelegen. Er ist Heimat der AOPA Italia und des größten Aeroclubs Italiens, des Aeroclub Milano.

Der Platz ist täglich ohne Mittagspause geöffnet. Man braucht seit Frühjahr 2016 stets ein PPR, welches per e-mail eingeholt werden muss; es gibt - allerdings nur etwas inoffiziell, Avgas (kein Jet-A1). Heißt: Wenn man den Club freundlich fragt, bekommt man auch weiterhin sein Avgas. Man sollte sich aber vorher erkundigen. Die Asphaltpiste ist gute 1000 Meter lang. Es gibt keine IFR-Verfahren, allerdings ist es - wie auch an einigen anderen Stadtflugplätzen - möglich, die Anflüge des nächstgelegenen Verkehrsflughafens (in diesem Fall Milano Linate, LIML) zum "Cloudbreaking" zu nutzen.

Es gibt auch die Möglichkeit, in Bresso Zoll zu machen, was für Flüge aus der oder in die Schweiz sehr gut ist.. Dazu muss man allerdings mindestens zwei Werktage vor dem Flugtermin schriftlich (Fax oder E-Mail) dem Aeroclub Bescheid geben; ferner wird eine Zollabfertigungsgebühr fällig.

Zu den Gebühren: Die Landegebühr beträgt pauschal etwas happige 30 Euro (welche seit 2016 vor Ort ein Büro der Firma Skyservices eintreibt) und dazu kommen noch einmal 30 Euro Feuerwehrgebühr, welche vom Aeroclub kassiert werden. Abstellen kostet pro Nacht wahlweise 6 Euro im Freien oder 15 Euro im Hangar. Also leider mittlerweile teuer. Man arbeitet wohl daran, dies wieder etwas zu normalisieren.

Am Platz gibt es eine Bar und ein Restaurant, das täglich außer montags geöffnet ist. Vom Flugplatz kann entweder zu Fuß zur sehr nahen Bushaltestelle der Linie 708 gehen (welche zur Metro-Station führt) oder sich mit einer kurzen Taxifahrt ins Metronetz von Mailand einklinken (direkt mit dem Taxi bis in die City wird doch etwas teurer). Oder man nutzt für einen Mietwagen ab Bresso eine Sondervereinbarung der AOPA Italien mit SIXT (auf "Aeroclub Milano" hinweisen), welche eine Filiale in 5 Gehminuten Entfernung haben:

SIXT Italy - Sesto San Giovanni
VIA LIBERO BIAGI, 55 / C16
20099 - Sesto S. Giovanni (MILANO)
Tel. 0039 02/2423686-24412115
Fax 0039 02/24412115
Mob. 0039 328/1327204

Die Anflugverfahren von Bresso sind mitunter recht speziell, die Luftraumstruktur in Flugplatzumgebung sehr genau zu beachten.

Der Platz ist somit insgesamt aber trotz der mittlerweile recht hphen Gebühren zu empfehlen, es sei denn, das Wetter ist schlecht (kommt speziell im Winterhalbjahr aufgrund Nebels häufig vor), man will nachts landen oder braucht Jetfuel. Dann lautet die Alternative:

Milano-Linate (LIML)

Auch dieser Platz ist durchaus als "Stadtflughafen" zu bezeichnen, liegt er doch nur ca. 2 Kilometer außerhalb des Autobahnrings. Es fahren regelmässig Linienbusse ins Zentrum.

In Linate findet sehr viel Linienflugverkehr und Geschäftsreiseverkehr statt, aber auch die "kleine GA" kann hier - allerdings mit gewissen Einschränkungen - landen. Die GA-Ramp und das GA-Terminal (mit eigenem Sicherheits- und Zollpersonal) liegt auf der Westseite des Airports. Für diesen Apron und überhaupt für die Benutzung des Taxiways und Runways gibt es einen Haufen Sonderregelungen. Dies alles hier aufzulisten wäre unmöglich. Daher sei hier an den entsprechendnen Abschnitt der AIP verwiesen. Dennoch ein paar wesentliche Infos:

Starts und Landungen finden in aller Regel auf der Piste 36 statt. Es gibt außerdem im Westen des Platzes eine kleine VFR-Piste (17-35, 610m + overrun). Diese Piste wird kleinen VFR-Fliegern gerne vom Tower angeboten. Soweit möglich sollte man dies annehmen, um Verzögerungen zu vermeiden. Man kann aber auch die 36 requesten. Auf der 17 sind keine Landungen erlaubt.

ANMERKUNG: Seit gewisser Zeit allerdings ist die 17/35 gesperrt und wird nur noch als Parkfläche genutzt!

Achtung: Es gibt in Linate kein Special-VFR, was insbesondere aufgrund der im Winterhalbjahr sehr häufigen Dunst-/Nebelwetterlagen problematisch sein kann. Im Gegenzug ist dafür aber Night-VFR möglich. Außerdem sind IFR-Anflüge nur zulässig, wenn man in der Lage ist, mindestens 120 Knoten im Anflug zu fliegen, was aber mit 95% aller IFR-Flugzeuge kein unüberwindbares Problem darstellen sollte.

Was VFR-Flüge betrifft, gibt es leider seit 2015 recht große Einschränkungen; derzeit gibt es ein NOTAM, wonach VFR-Flüge täglich nur noch innerhalb zweier Zeitfenster gestattet sind. IFR-Flüge sind davon nicht betroffen.

PPR: Es gibt keine PPR-Pflicht. Man braucht auch keinen Slot, auch nicht wenn man IFR kommt. Allerdings braucht man Handling, welches aber lediglich durch einen Eintrag in Feld 18 des FPL (falls man einen hat) notifiziert wird, d.h. auch der Handling-Agent muss vor dem Flug - es sei denn man will nachts landen - nicht unbedingt vorab informiert werden. Es ist allerdings sinnvoll, ca. 10-15 Minuten vor der Landung auf der West Apron Coordination Frequenz (131.775) seinen Handling-Agent anzugeben. Für die GA gibt es derzeit fünf verschiedene Agents (Kontaktdetails siehe AIP); man sollte vorher mehrere nach einem konkreten Kostenvoranschlag beten, um den günstigsten zu finden. Skyservices scheinen mir ingesamt noch die fairsten und vor allem am kommunikativsten zu sein.

Wie gesagt, es ist ausreichend, den gewählten Agent in Feld 18 des Flugplans einzutragen (Kenngruppe "RMK" und dann "Handling Agent A" bzw. "B", "C", "D", "E". Damit ist alles erledigt. Man meldet sich dann nach dem Abrollen von der Piste per Funk noch mal bei seinem Agent, damit man nach dem Abstellen von der Parkposition abgeholt wird. Das Apron-Management und den Follow-Me Dienst erledigt stets die Firma A.T.A., unabhängig von dem gewählten Handling-Agent.

Avgas (teuer) und Jet ist vorhanden, genauso wie Zoll. Für den Transport vom Flughafen gibt es Linienbusse und Mietautos (beides allerdings nur ab dem Hauptterminal auf der Ostseite, d.h. dort muss man ggf. mit einem Taxi hinfahren, insofern nicht der Handling Agent so freundlich ist). Wenn man nur in die Stadt will, sollte man direkt ein Taxi nehmen (ruft der Handling-Agent); es kostet ins Stadtzentrum (Duomo) dank der geringen Distanz nur ca. 15 Euro.

Zu guter Letzt noch das Thema Gebühren: Wie so oft an den italienischen Flughäfen hängen die Gebühren etwas von zwei Faktoren ab: Erstens vom MTOW (in angefangenen Tonnen) und zweitens von der Anzahl der Passagiere. Zuguterletzt natürlich auch etwas vom gewählten Handling-Agent. Grob gesagt: Mit einem Eintonner und ohne Passagiere bezahlt man (inkl. 24h Parken) ca. 80 Euro. Mit einem Zweitonner schon ca. 120 Euro. Dazu kommen dann pro Passagier noch ca. 15 Euro. Aber wie gesagt: es hängt alles natürlich auch ein bisschen vom gewählten Handling-Agent ab; deshalb sollte man sich vorab 2-3 Angebote einholen. Letztlich ist der Platz nicht billig, aber es ist dennoch ein schöner, zentraler Flughafen mit Airline- und Businessjetflair. Wenn man aus der Schweiz kommt und nach Mailand möchte, ist Linate wegen der nötigen Zollkontrolle möglicherweise die beste Alternative, da im Gegensatz zu Bresso keine Extragebühr für den Zoll fällig wird, außerdem für den Zoll kein PPR notwendig ist und der Zoll direkt am GAT zur Verfügung steht.

Milano-Malpensa (LIMC)

Info vorweg: VFR-Flüge sind in Malpensa nur für dort beheimatete Flugzeuge sowie für Helikopter erlaubt. Der Platz ist also de facto auf IFR-Flüge beschränkt!

Im Gegensatz zu Linate ist Malpensa, der zweite "große" Flughafen im Raum Mailand, wahrlich kein Stadtflughafen, denn er liegt gute 30 km außerhalb (Richtung Nordwest). Im Wesentlichen als Airline-Airport konzipiert, gibt es dennoch (im Gegensatz zu Rom-Fiumicino) ein GAT. Natürlich gibt es allerdings Handling-Pflicht. Es gibt auch hier mehrere verschiedene Handling-Agents (Kontaktdetails siehe AIP).

Der gewählte Handling-Agent muss bei Landung am Tage nicht unbedingt im Voraus kontaktiert werden (nur für Nacht-Arrivals). Im Flugplan gibt man einfach unter RMK/ "Handling Agent A" bzw. "B", "C", "D", "E" an.

Die Gebühren sind vergleichbar bzw. eher etwas geringer als die von Linate. Man sollte aber die Angbeote der Handling-Agents schon mal genau vergleichen, da sie doch recht unterschiedlich sind. Die Anbindung an die Stadt ist aufgrund des regen Linienverkehrs natürlich sehr gut, allerdings ist es eben deutlich weiter bis nach Mailand. Dafür ist Malpensa für alle diejenigen der ideale Platz, die IFR landen möchten und deren Ziel Varese, der Lago di Varese, der südliche Lago Maggiore oder der Lago d'Orta ist. Eben wie gesagt leider strikt nur IFR.

Bergamo-Orio al Serio (LIME)

Zwar liegt Bergamo nur schon wirklich einige Kilometer außerhalb Mailands, aufgrund dessen Lage direkt an der Autobahn und der guten Anbindung (Ryanair und Co. sei Dank) mit Bussen direkt ins Zentrum von Mailand ist LIME aber dennoch grundsätzlich eine Alternative. Es ist auch VFR-Night möglich. Außerdem ist Bergamo um einiges günstiger als Linate und Malpensa. Folgendes ist zu wissen:

Neben der Hauptpiste, auf der Ryanair & Co. landen (10-28) gibt es im Norden des Flughafenareals eine weitere, 780 Meter lange Asphaltpiste (12-30), die vorwiegend vom Aeroclub genutzt wird, und auch für die GA von außerhalb unbedingt zu empfehlen ist, denn wenn man auf dieser landet und auch auf dem Vorfeld des Aeroclubs parkt, fällt keine Handling-Gebühr an, sondern lediglich eine Landegebühr von pro Tonne gerade mal nur 10 Euro.

Dagegen: wenn man auf der Hauptbahn landet und somit von der Flughafengesellschaft SACBO gehandelt wird, sind es summa summarum ganz grob ca. 80 Euro (auch das ist im Vergleich zu Linate und Malpensa noch sehr OK). Lediglich montags kann man nicht auf dieser Piste landen, da dann der Aeroclub geschlossen ist. Avgas kostet beim Aeroclub außerdem etwas weniger (darf zwar theoretisch nicht an Fremde verkauft werden, wird aber trotzdem gemacht, ohne Rechnung); hingegen auf dem "Hauptflughafen" kostet es spürbar mehr. HINWEIS: Aktuell, Herbst 2016, gibt es auf dem Haupflughafen qua NOTAM derzeit kein Avgas!

Weitere Vorteile der Aeroclub-Seite: Gleich nebenan gibt es eine Bar, ein gutes kleines Restaurant und viele nette Leute. Der Zeitverlust beträgt gleich null (im Gegensatz zum Handling durch die Flughafengesellschaft SACBO, welches wirklich nur Zeit kostet). Vom Aeroclub kann man entweder mit dem Linienbus oder mit dem Taxi in kurzer Zeit in die sehr schöne alte Oberstadt von Bergamo gelangen. Will man allerdings die Linienbusse nach Mailand in Anspruch nehmen, muss man dann mit dem Taxi zunächst auf die andere Seite zum Hauptterminal fahren. Von dort allerdings (dank Ryanair) nur 5 Euro bis zum Zentralbahnhof von Mailand.

Was muss man tun, um auf der Aeroclub-Piste landen zu können? Nicht viel, denn es ist keine Voranmeldung notwendig. Falls trotzdem Fragen bestehen (auch auf Englisch):

Aeroclub di Bergamo
Tel: (0039) 035-297062
Fax: (0039) 035-301821
E-Mail: info@aeroclub.bg.it

Im Funk dann einfach beim Erstanruf bei Bergamo Tower angeben, dass man auf der "aeroclub runway" landen möchte. Das funktioniert sogar auch bei einem IFR-Anflug; man macht dann bei Erreichen von VMC ein Circling auf die andere Piste.

Die einzigen Gelegenheiten, bei denen man auf der Hauptbahn landen muss, sind 1) nachts (was aber auch dort für die GA nur zu den "Randtageszeiten" erlaubt ist), 2) montags, 3) Mitte August (da ist nämlich der Aeroclub ebenfalls geschlossen), 4) wenn man Zoll machen muss, und 5) wenn man Jetfuel braucht, denn in diesen Fällen muss man sich zwangsäufig von der SACBO "handeln" lassen. In diesem Fall ist derzeit (zumindest wenn man tagsüber landet) genau genommen keinerlei PPR notwendig. Es gilt aber, stets sehr aufmerksam die NOTAMs zu lesen, denn dies ändert sich gelegentlich.

In allen anderen Fällen also in Zukunft: "Request landing on the aeroclub runway!"

Sonstiges

Im Mailänder Umland gibt es darüber hinaus noch ein paar Aviosuperfici/Campi di volo, die in der Regel keinerlei Gebühren verlangen, es stellt sich aber dort immer wieder die Transportfrage nach Mailand. Außerdem steht mit Milano-Bresso wirklich auch für kleine Privatflieger (soweit ich weiß auch D-registrierte ULs, aber besser vorab klären!) eine wirklich exzellente und günstige Alternative zur Verfügung, so dass die Notwendigkeit, ins Mailander Umland auszuweichen, eigentlich nicht besteht. Dennoch seien noch folgende Plätze kurz genannt, die allerdings überwiegend nur über eher kurze Graspisten verfügen (genauere Informationen siehe Avioportolano):

Cassano d'Adda - Aviosuperfcie Baialupo (ca. 30 km nordöstlich von Mailand)
Aviosuperfice Cogliate (ca. 25 km nordwestlich von Mailand)
Rosate - Aviosuperfcie Rosangeles (ca. 20 km südwestlich von Mailand)
Cisliano - Volo Club Milano (ca. 15 km westlich von Mailand, nur für ULs zugelassen!)
Abbiategrasso - Aviosuperfcie dei Navigli (ca. 25 km westlich von Mailand)
Senago - Campo di Volo Groane e Cesare (ca. 15 km nordwestlich von Mailand, nur für ULs)


© 2007-2017 | Philipp Tiemann
flugdurchfuehrung